Aufgebrachte Demonstranten stürmen Bankfilialen

16. Jänner 2002, 13:48
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Ausschreitungen nach Arbeiter-Protesten - Duhalde verteidigt Beschränkung bei Auszahlung von Sparguthaben

Buenos Aires - Tausende Argentinier haben in mehreren Städten erneut gewaltsam gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert. Die aufgebrachten Demonstranten warfen am Dienstag Fensterscheiben von Bankgebäuden ein und demolierten Geldautomaten sowie das Inventar der Geldhäuser. In Buenos Aires zogen tausende Arbeitslose vor das Arbeitsministerium und zum Präsidentenpalast, der von einem starken Polizeiaufgebot abgeriegelt wurde.

Arbeiter fordern Auszahlung der der ausstehenden Löhne

In der Stadt Casilda in der mittelargentinischen Provinz Santa Fe bewarfen etwa 7.000 Demonstranten die Bankgebäude zunächst mit Eiern. Als die Polizei Tränengas und Gummigeschoße einsetzte, legte die Menge Brände, zerschlug Fensterscheiben und zerstörte Geldautomaten. In San Salvador de Jujuy stürmten vermummte Jugendliche mehrere Bankfilialen und schleuderten Computer und Möbel auf die Straße. Die Gewalt eskalierte im Anschluss an eine Demonstration von rund 1.000 Arbeitern, die die Auszahlung ihrer noch ausstehenden Löhne forderten. Ähnliche Szenen spielten sich in der Stadt La Plata ab.

Beschränkung bei Auszahlung von Sparguthaben bleibt

Präsident Eduardo Duhalde verteidigte unterdessen die bereits vor sechs Wochen vom damaligen Regierungschef Fernando de la Rua verfügten Beschränkungen bei der Auszahlung von Bankguthaben. Dies sei die einzige Möglichkeit, um das Bankensystem und die Erparnisse der Argentinier überhaupt zu retten, sagte der Präsident vor Journalisten. Die Finanzkrise und die sozialen Unruhen hätten Argentinien gelähmt und das Land an den Rand von Anarchie und Chaos geführt, erklärte Duhalde. Er versprach, die Finanzen bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2003 in Ordnung zu bringen.

Peso soll in fünf Monaten ganz "freigegeben" werden

Argentinier dürfen von ihren Bankkonten derzeit monatlich nur zwischen 1.200 und 1.500 Pesos (960 bis 1.200 Euro) abheben. Der Peso war nach zehnjähriger Eins-zu-eins-Bindung an den Dollar von der neuen Regierung abgewertet worden. Für den Außenhandel wurde ein Dollarkurs von 1,40 Peso festgelegt, ansonsten sank der Kurs auf 1,90 Peso. Duhalde kündigte an, die Währung innerhalb der kommenden fünf Monate ganz freizugeben. (APA)

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