Preisorakel um Fahrscheine

15. Jänner 2002, 22:02
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Geplante Gebührenerhöhungen fordern die Rechenkünste aller Parteien

Wien - Inflationsabgeltung gegen Tariferhöhung, Beamtenlohnrunde gegen teurere U-Bahn-Tickets - auf-, ab- und gegengerechnet wird derzeit heftig rund um die - von der Opposition - bereits mehrfach angekündigten Gebührenerhöhungen in Wien, die die SPÖ nicht ausschließen kann.

VP-Parteiobmann Bernhard Görg kritisierte gestern, Dienstag, abermals die erwarteten Verteuerungen für Tickets der Wiener Linien. Er meint, dass spätestens ab Juli mehr für Bim, Bahn, Bus von den Wiener und Wienerinnen gezahlt werden müsste.

Schon im Mai 2000 hatten die Grünen beim Einzelfahrschein auf eine Preiserhöhung von 19 Schilling auf bald 21 Schilling (berechnet vor der Euroumstellung) getippt und "große Protestmaßnahmen" für diesen Fall angekündigt. Maßnahmen wie Preiserhöhung stehen nach wie vor aus.

Nun bedient sich die VP dieses Preisorakels: Görg rechnet mit künftig um zehn Prozent teureren Fahrscheinen. Als "Durchschnittswert" für alle Tarifkategorien (Jahres,- Monats, Tageskarten).

Kaum Differenz

Aber: alles neu macht der Euro. Auch Görg errechnet einen künftigen Preis von 21 Schilling für den Einzelfahrschein. Derzeit kostet - bedingt durch die Euroumstellung und die damit einhergehende Abrundung aller Tarife - der Fahrschein aber nur mehr 1,30 Euro: 17,89 Schilling. Rechnet man die von Görg erwartete Preiserhöhung von zehn Prozent wieder dazu, bleibt das Einzelticket annähernd gleich teuer wie vor dem Euro. Vorherige Euroabrundung und baldige Preiserhöhung würden aus dem Rechentrick ein Beinahe-Nullsummenspiel machen: Die fünf Cent (69 Groschen) Verteuerung wären kaum bemerkbar.

Wenig Verständnis zeigt die VP, wenn es um Tarifrechnungen und die soeben erfolgte Erhöhung der Wiener Beamtengehälter geht: Um 2 Prozent dürfen diese künftig mehr als Gehaltseingang am Konto verbuchen. Das brächte Mehrbelastung des Stadtbudgets um 48,98 Millionen Euro. Wäre die Beamtenlohnrunde auf Wiener Ebene "genauso moderat ausgefallen, wie jene für Bundesbeamte", so könnte man sich die höheren Tarife bei den Öffis sparen, rechnet Bernhard Görg weiter.

Rechnen und wetten

Die SP-Regierung kalkuliert einstweilen hinter verschlossenen Türen, ob, wann und um wie viel Gebühren für Öffis, Müll oder die Bäder erhöht werden. Es scheint nur noch eine Frage des günstigen Zeitpunkts, wann die neuen Tarife bekannt geben werden.

Mittlerweile werden dazu Wetten angenommen: "Mitte Mai werden sie das ankündigen, ab 1. Juli werden die neuen Tarife dann gelten", heißt es in der VP. Görgs Wetteinsatz: ein Kaffee. (aw, Der Standard, Printausgabe, 16.01.02)

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