Palästinenserpolizei nimmt Extremisten-Führer fest

16. Jänner 2002, 11:11
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Arafat setzt mit Inhaftierung von PFLP-Chef Ahmed Saadat Zeichen - Sharon spricht von "Lüge"

Ramallah - Die palästinensische Autonomiebehörde hat am Dienstag in Ramallah den Führer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, festgenommen. Das bestätigte am Abend sein Stellvertreter, Abdel Rahim Maluach. Bei Saadat handelt es um den bisher ranghöchsten Palästinenserführer, den die Autonomiebehörde nach eigenen Angaben festnehmen ließ. Die PFLP ist ein erbitterter Gegner der Friedensabkommen mit Israel.

Maluach sprach von einem "Trick" der Autonomiebehörde. Saadat sei von einem palästinensischen Repräsentanten zu einem Gespräch eingeladen worden. Während des Treffens sei das Gebäude von der palästinensischen Polizei umzingelt worden und man habe Saadat festgenommen. Maluach verurteilte die "gefährliche, politisch motivierte Festnahme", die auf israelischen Druck hin erfolgt sei. Der israelische Online-Nachrichtendienst "y-net" meldete, der Gesprächspartner Saadats sei der Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tiraui, gewesen.

Israel hatte die Festnahme Saadats wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am Mord des israelischen ultrarechten Tourismusministers Rechawam Seewi vor drei Monaten gefordert. Die PFLP hatte sich zu dem Mord bekannt, mit dem sie die Liquidierung ihres Generalsekretärs Abu Ali Mustafa am 27. August vergangenen Jahres durch die israelische Armee rächen wollte. Saadat war seit der Ermordung Seewis am 17. Oktober untergetaucht.

Sharon: Festnahme von PFLP-Anführer Saadat als "Lüge"

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat die Festnahme eines hochrangigen militanten Palästinenserführers als "Lüge" bezeichnet. Es handle sich dabei um eine "weitere virtuelle Festnahme", sagte Sharon am Dienstagabend laut dem israelischen Rundfunk bei einem Sicherheitstreffen in Jerusalem.

Arafat habe ein "Königreich der Lügen" aufgebaut und sei nicht mehr glaubwürdig, sagte Sharon. Mit der angeblichen Festnahme Saadats wolle er lediglich die Delegation von US-Abgeordneten beeindrucken, die sich derzeit in Israel aufhalten. Die Mitglieder des Geheimdienstausschusses des US-Kongresses hatten in den vergangenen Tagen Gespräche in Israel über Geheimdienstfragen geführt. (APA/dpa)

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