Tschetschenischer Politiker kritisiert Europas Haltung zu Russland

15. Jänner 2002, 20:08
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Sejlam Beschajew: Russland bricht alle internationalen Konventionen und Menschenrechte

Warschau - Der im Exil lebende tschetschenische Parlamentspräsident Sejlam Beschajew hat am Dienstag im westpolnischen Posen (Poznan) die russische Politik in Tschetschenien und die Haltung des Westens heftig kritisiert. Er verstehe, dass die europäischen Staaten Öl und Gas aus Russland benötigten, sagte er der polnischen Nachrichtenagentur PAP. "Aber man kann keinen Staat unterstützen, der alle internationalen Konventionen über die Menschenrechte bricht". Beschajew reiste auf Einladung des polnischen "Komitees Freier Kaukasus" zwei Tage vor dem geplanten Posen-Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in die westpolnische Stadt.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September habe sich die Lage der Tschetschenen dramatisch verschlechtert, sagte Beschajew. "Putin sagte, "Da seht ihr, gegen wen wir schon seit langem kämpfen", aber wir sind keine Terroristen", sagte der tschetschenische Politiker. Die russischen Soldaten in Tschetschenien erhielten keinen Sold, "sondern die Erlaubnis zum Plündern, Morden und Vergewaltigen".

Anlässlich des Putin-Besuchs hatten sowohl das Komitee Freier Kaukasus als auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Demonstrationen beantragt, um gegen die russische Tschetschenien-Politik zu demonstrieren. Beide Kundgebungen wurden verboten, weil nach Meinung der Behörden die Veranstalter keinen friedlichen Verlauf garantieren konnten. (APA/dpa)

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