Zum Start von UMTS "Handys nicht in Sicht"

17. Jänner 2002, 15:48
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Mobilkom-Chef Nemsic will sein Netz nicht mit Konkurrenten teilen

Wien - Der Chef des größten heimischen Handynetzes Mobilkom, Boris Nemsic, sieht den Übergang vom bestehenden GSM- zum kommenden mobilen Hochgeschwindigkeitsnetz UMTS (Universales Mobiles Telekommunikationssystem) nicht in Form eines "Big Bang", sondern fließend. "Wir adaptieren unser Netz laufend und können den Betrieb ab Mitte des Jahres jederzeit starten", sagt Nemsic. "Nur sehe ich die Handys dann noch nicht."

Die kommenden Endgeräte müssen ja nicht nur neue Features aufweisen, die die multimedialen Dienste unterstützen, die auf Bild und Ton basieren, sondern sie müssen Geräte sein, die in mehreren Standards funktionieren: GSM/GPRS für das bestehende sowie UMTS für das neue Netz. Nur so können die Geräte überall dort verwendet werden, wo das UMTS-Netz zunächst nicht vorhanden ist.

Kein Problem sieht Nemsic mit dem Aufbau der flächendeckenden UMTS-Versorgung. Mit den bereits bestehenden 4600 Masten von Mobilkom in Österreich könne sein Unternehmen weitgehend das Auslangen finden, erklärt Nemsic. Die Lizenzauflage, wonach 25 Prozent der Bevölkerung bis Ende 2003 mit UMTS versorgt sein muss, sei leicht erfüllbar: Dies entspreche der Bevölkerung Wiens und Umgebung.

Eigene Basis

Aus dieser Position der Stärke zeigt sich Nemsic wenig konziliant gegenüber jenen UMTS-Lizenznehmern (im Wesentlichen Connect Austria/One, Hutchison, Tele.ring, 3GMobile), die sich für weitreichendere, sanktionierte Kooperationsmöglichkeiten bei Netzaufbau und -betrieb ausgesprochen hatten: "Es werden nur jene erfolgreich sein, die auch über eine Basis verfügen. Und ich sehe nicht, warum sich andere darauf setzen können sollen. Dann sind einfach zu viele Betreiber am Markt." Nach seiner Sicht mache lediglich ein Infrastruktursharing an Plätzen wie Tunnels, U-Bahnen oder in Einkaufszentren Sinn, "und da haben wir bereits mehrere Hundert Sharingmodelle".

Zum Markteintritt in die UMTS-Ära will die Mobilkom zuerst Anwendungen für Businesskunden wie für das Flotten- oder Logistikmanagement anbieten. In diesem Bereich würde die Mobilkom bereits jetzt Lösungen anbieten, die dank UMTS schneller, komplexer und übersichtlicher dargestellt werden können. Nemsic: "In diesem Bereich gibt es zwar nicht Millionen von Kunden, aber viele Daten und damit Umsätze." (ruz, DER STANDARD, Printausgabe 16.1.2002)

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