Sonntag ist Lerntag bei Schülern

26. August 2003, 18:54
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Das Lernpensum zu Hause ist bei weitem höher, als es in einem Stadtschulrat- Erlass empfohlen ist

"Am siebten Tage sollst du ruhen" - dieses Bibelwort trifft auf AHS-Schüler trotz Sechs-Tage-Schulwoche keineswegs zu: Der Sonntag ist nicht Erholungs-, sondern Lerntag. Am Samstag gönnt man sich noch am ehesten eine Pause. Das hat Bildungspsychologin Petra Wagner, Assistentin am Institut für Psychologie an der Uni Wien, in Zusammenarbeit mit Prof. Christiane Spiel bei dem seit 1995 laufenden Forschungsprojekt "Arbeitszeit für die Schule" herausgefunden. Die Befragten waren zwischen elf und 18 Jahre alt und besuchten Hauptschulen sowie AHS in ganz Österreich.

Markantes Ergebnis der Untersuchungen ist, dass weibliche Gymnasiasten daheim deutlich mehr als Burschen für die Schule arbeiten. An Hauptschulen gibt es hingegen kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Die häusliche Arbeitszeit ist jedenfalls deutlich höher, als es in einem 1993 veröffentlichten Erlass des Wiener Stadtschulrates für die AHS empfohlen wird. (1., 2. Klasse: fünf Stunden/Woche, 3. 4. Klasse: 6,25 Stunden/Woche, 5. bis 8. Klasse: 7,5 Stunden pro Woche oder maximal 90 Minuten pro Tag).

In der AHS-Unterstufe beträgt die häusliche Arbeitszeit von Mädchen hingegen üppige 12,2 und jene der Buben 10,5 Stunden. In der AHS-Oberstufe werden die Mädchen mit 13,4 Stunden noch eifriger, während die Burschen ihren Arbeitsaufwand nicht steigern. Wobei in den AHS deutlich mehr Zeit für Lernen als für Hausübungen aufgewendet wird, an den Hauptschulen ist dies ausgeglichen. Die durchschnittliche häusliche Arbeitszeit von Hauptschülern beträgt rund 8,5 Stunden.

Was die BHS betrifft, wurden Mädchen der "Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik" mit Buben einer HTL - alle aus der 10. Schulstufe - verglichen: In der HTL arbeiteten die Schüler 10,8 Stunden pro Woche daheim, die angehenden Kindergärtnerinnen waren mit 8,8 Stunden beschäftigt.

Doch weder im Gymnasium noch an der Hauptschule konnten die Forscherinnen einen Zusammenhang zwischen Schulnoten und häuslicher Arbeitszeit entdecken. Schulerfolg ist also nicht von der Quantität des Gelernten abhängig. Schlechte Schüler sind somit nicht zwangsläufig daheim fauler als andere.

Laut Studie versuchen speziell Mädchen ihre im Vergleich zu Burschen höhere Prüfungsangst sowie ihr geringeres schulisches Selbstbewusstsein durch einen höheren zeitlichen Aufwand daheim auszugleichen.

Dass in den AHS mehr Zeit für Lernen als für Hausübungen aufgewendet wird, findet Forscherin Wagner bemerkenswert: Schließlich seien Hausübungen dafür da, das in der Schule Unterrichtete zu wiederholen und zu lernen. "Hausübungen verfehlen derzeit offenbar ihren eigentlichen Zweck."(DerStandard,Print-Ausgabe,16.1.2002)

von Martina Salomon
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