Kleinanlegervertreter fordert Sonderprüfung

16. Jänner 2002, 14:47
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Nach US-Desaster Rücktritt der Aufsichtsratsspitze verlangt

Wien - Wegen des Asbest-Desasters des österreichischen Feuerfestkonzerns RHI in den USA fordert Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger nun eine Sonderprüfung. Außerdem verlangt er den sofortigen Rücktritt der Aufsichtsratsspitze.

Rasinger, Präsident des Interessenverband für Anleger (IVA), will nicht hinnehmen, dass für den bisher größten Jahresverlust eines österreichischen Unternehmens ausschließlich Georg Obermeier den Kopf hinhalten muss. Wie der bereits geschasste Ex-RHI-Chef solle auch die Aufsichtsratsspitze die Konsequenzen ziehen: "Ich fordere den sofortigen Rücktritt von Walter Ressler und Friedrich Nemec. Sie sind nicht im strafrechtlichen Sinn, aber wegen ihrer Funktionen für das Desaster verantwortlich", so Rasinger im heutigen "WirtschaftsBlatt".

"Bananenrepublik ohne Bananen"

Ein Köpferollen spätestens bei der nächsten Hauptversammlung Mitte Februar, bei der wie berichtet eine 144-Millionen-Euro-Wandelanleihe genehmigt werden muss, ist Rasinger nicht genug. Er fordert auch eine Sonderprüfung, denn "das Debakel bei RHI übersteigt die Dimensionen von Libro um ein Vielfaches. Wenn das nicht passiert, ist Österreich eine Bananenrepublik ohne Bananen."

Die scharfen Geschütze Rasingers lassen RHI-Aufsichtsratschef Walter Ressler kalt. Er sei keineswegs amtsmüde, sagt der 71-Jährige dem Blatt, und er denke daher nicht an einen Rücktritt. Ressler verteidigte erneut die US-Expansion, die den Konzern an den Rand des Ruins getrieben hat.

Aktie mit massiven Verlusten

Der Ruf der Aktionäre nach Aufklärung und Konsequenzen dürfte dem WirtschaftsBlatt zufolge bei der nächsten Hauptversammlung auch ohne Rasingers Zutun laut werden. Denn die Aktie hat seit August vier Fünftel ihres Wertes verloren - in Summe macht das ein Minus von 367 Mill. Euro. (APA)

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