Internationalster Fluss der Welt

15. Jänner 2002, 21:29
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Diskussion über Jugoslawiens Donau und ihre Ökoprobleme

Wien - Am unteren Lauf der Donau sei staatlicher Autokauf eine Voraussetzung für effektiven Gewässerschutz, erläutert Andjelka Mihajlov, Generaldirektorin für Umweltschutz im zuständigen Belgrader Ministerium.

Verfüge ein Umweltinspektor nämlich über kein eigenes fahrbares Gefährt und lasse sich stattdessen von den Verantwortlichen der zu prüfenden Firmen abholen, "so kann er keine unabhängige Kontrollen mehr durchführen", schilderte die Beamtin die ökologischen Mühen der Ebene in der heutigen Republik Jugoslawien.

Deshalb stehe "die Motorisierung der Truppe" auf der Prioritätenliste der neuen Belgrader Umweltbehörden auch ziemlich weit oben, betonte Mihajlov bei einer von STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl moderierten Podiumsdiskussion. Thema der Abschlussveranstaltung einer von der Bank Austria mitorganisierten, zehnteiligen österreichisch-serbischen Diskussionsserie: "Umweltschutz im Donauraum".

Alles in allem, sagte Mihajlov, hinke die Republik Jugoslawien der EU bei den Umweltstandards "um 30 bis 40 Jahre hintennach", samt industrieller Hot Spots und ökologischer Kriegsfolgen am Donaulauf, etwa in Pancevo, Novi Sad und Bor: Problemen, die laut Jasmine Bachmann vom Donau-Karpaten-Programm des World Wide Fund for Nature (WWF) "internationale Finanzhilfe dringend nötig machen".

Auch, weil die Zukunft des 2845 Kilometer langen Stromes besonders viele Menschen betreffe: 80 Millionen Personen in zehn verschiedenen Staaten: "Die Donau ist der internationalste Fluss der Welt", fasste die Expertin zusammen.

Während sich Hans-Peter Nachtnebel, Hydrologe an der Wiener Universität für Bodenkultur, den Ökoproblemen des Flusses widmete. Diese reichten von "58 Staudämmen auf den ersten 1000 Kilometern, wo das Gefälle die Gewinnung von Wasserkraft rentabel macht", über "das Abholzen der Auen" bis zur "Ver-schmutzung durch Düngemittel und Industrie", schilderte er. Zwar sei die Donau im weltweiten Vergleich ein "mittelmäßig verschmutzter Fluss", doch: "Ohne Rahmenbedingungen werden die Belastungen zunehmen." (bri, Der Standard, Printausgabe, 16.01.02)

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