Die "Veteranen" greifen zu

15. Jänner 2002, 20:22
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Wirtschaftlicher Niedergang wegen Willkür gegen weiße Farmer

Harare/Wien - Der Umgang des Mugabe-Regimes mit Oppositionellen, Andersdenkenden, hat in den letzten Tagen zu verschärften internationalen Protesten geführt. Dabei steht Präsident Robert Mugabe schon seit Frühjahr 2000 in der Kritik, weil er Übergriffe von so genannten "Veteranen" aus dem Unabhängigkeitskrieg auf weiße Farmeigentümer anstiftet oder zumindest wohlwollend duldet.

Die "Veteranen", die gegen die Farmer vorgehen, sind in Wirklichkeit zumeist jugendliche Banden, die von der Mugabe-Partei Zanu-PF aufgestachelt wenn nicht gar ausgebildet werden. Sie vertreiben Eigentümer mit Gewalt von ihren Ländereien, vorgeblich, um die nach der Unabhängigkeit nicht vollendeten Enteignungen zugunsten der armen Landbevölkerung zu Ende zu führen. Bei Simbabwes Behörden und Gerichten dürfen die Opfer, oft alt eingesessene weiße Familien, nicht auf Schutz hoffen.

Erst vergangene Woche kam es wieder zu Angriffen. Eine Sprecherin des Farmerverbandes berichtete am Wochenende von einer Serie von Attacken, bei denen 23 weiße Grundbesitzer von ihren Gütern vertrieben worden seien. Nach Angaben der Opposition unterhält die Regierungspartei dort ein Ausbildungslager für Jugendliche. Opfer der Gewaltszenen sind üblicher Weise nicht nur die weißen Eigentümer der landwirtschaftlichen Betriebe - auch ihre schwarzen Angestellten werden von den Veteranen brutal misshandelt.

Landreform

Anfang Jänner veröffentlichte die Regierung nun eine Liste mit den ersten Namen von rund 100.000 Schwarzen, die im Rahmen einer offiziellen Landreform Grundstücke bekommen sollen. Auf der Liste fanden sich Abgeordnete, Geschäftsleute und Anhänger von Präsident Robert Mugabe. Etwa 8,5 Millionen Hektar Land sollen neu verteilt werden. Menschenrechtsgruppen erklärten jedoch, die Regierung sei nicht an einer gerechten Verteilung des Landes interessiert, sondern wolle sich vor der Präsidentschaftswahl im März Stimmen erkaufen

Die Bevölkerung insgesamt leidet unter dem Chaos auf dem Lande. Die Farmen Simbabwes waren bis zum Beginn der Landnahmen so produktiv, dass Simbabwe Agrarprodukte exportieren konnte. Nun kommt es im Inland zu Versorgungsmängeln, Simbabwe ist wirtschaftlich im Niedergang. Jede neue autoritäre Aktion soll offenbar auch hiervon ablenken und die landlose Bevölkerung außerhalb der Städte befriedigen.

In den Städten erfreut sich Mugabes Partei nach über 21 Jahren an der Macht ohnehin schon lange keiner großen Beliebtheit mehr. Dort ist die oppositionelle Partei MDC von Mugabe-Herausforderer Morgan Tsvangirai politisch besonders stark. (jwo)

(DERSTANDARD, Printausgabe, 16.1.2002)
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