Haftbefehle gegen weitere argentinische Junta-Militärs

15. Jänner 2002, 17:51
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Deutsche Studentin gefoltert und ermordet - Täter im Heimatland durch Amnestie geschützt

Nürnberg - Wegen der Ermordung einer deutschen Studentin zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur hat die deutsche Justiz gegen zwei weitere ehemalige Junta-Mitglieder Haftbefehl erlassen. Die bundesweit federführende Nürnberger Staatsanwaltschaft beschuldigt den 74-jährigen früheren Kommandanten Juan Bautista Sasiain und den 65-jährigen Ex-Lagerkommandanten Pedro Duran Saenz, für den Tod der 30-jährigen Tübinger Theologentochter Elisabeth Käsemann im Mai 1977 mitverantwortlich zu sein.

Das Amtsgericht Nürnberg hatte im gleichen Fall bereits im Juli vergangenen Jahres als erstes deutsches Gericht einen Haftbefehl gegen ein ehemaliges Mitglied der Militärjunta erlassen. Die argentinische Justiz nahm darauf im Oktober überraschend den 78-jährigen früheren Junta-Kommandeur Carlos Suarez Mason in Auslieferungshaft, die einen Monat später aber wieder aufgehoben wurde. Gegen diesen Beschluss hatte die Bundesregierung Ende Dezember in Argentinien Klage eingelegt.

Als politisch Andersdenkende entführt

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurde Käsemann, die sich einer linken Gruppierung angeschlossen haben soll, im März 1977 von argentinischen Sicherheitskräften als politisch anders Denkende entführt, in einer Kaserne gefangen gehalten und gefoltert. Im Mai 1977 wurde sie in das geheime Haftzentrum El Vesubio in der Nähe von Buenos Aires verlegt. Kommandant Suarez Mason und sein Untergebener Sasiain hatten dort die Befehlsgewalt. Duran Saenz war Kommandant des Haftzentrums.

Die Nürnberger Justiz ermittelt seit 1998 im Fall Käsemann, nachdem das Nürnberger Menschenrechtszentrum Strafanzeige gestellt hatte. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass die fränkische Staatsanwaltschaft als einzige Behörde in Deutschland Fälle bearbeitet, in denen zurzeit der argentinischen Militärdiktatur deutschstämmige Personen verschwanden oder getötet wurden. Derzeit werfen die Ankläger in zwölf Fällen 74 ehemaligen Angehörigen der Junta Mord, Totschlag, Menschenraub und Geiselnahme von 39 Opfern vor. (APA/AP)

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