Pat Cox - Ein ehemaliger Journalist und Ökonom wird EP-Präsident

15. Jänner 2002, 17:13
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49-jähriger irischer Liberaler wird über Parteigrenzen hinweg geschätzt - Reform des Europaparlaments angestrebt

Straßburg - Der neue Präsident des Europäischen Parlaments (EP), der irische Liberale Pat Cox (49), wird in der EU-Volksvertretung über die Parteigrenzen hinweg geschätzt. Inhaltlich will er sich vor allem für eine Stärkung der Demokratie auf EU-Ebene einsetzen. Abgeordnete links der Mitte warfen ihm allerdings im Wahlkampf vor, sich zu sehr an die größte Fraktion im Straßburger Parlament, die Europäische Volkspartei (EVP), anzulehnen. Deren Stimmen ermöglichten Cox erst die Wahl.

Cox kann auf eine abwechslungsreiche Berufslaufbahn zurückblicken. Bevor er im Jahr 1989 erstmals zum Europaabgeordneten gewählt wurde, war er als Journalist und Fernsehsprecher im irischen Fernsehen sowie als Wirtschaftsprofessor tätig. Diese beiden Tätigkeiten kommen ihm eigenen Angaben zufolge bei der politischen Arbeit sehr zugute.

"Gegengewicht zur Technokratie und Bürokratie"

In seiner Rede vor dem ersten Wahlgang am Dienstag versprach Cox den Abgeordneten, die europäische Volksvertretung als "Gegengewicht zur Technokratie und Bürokratie" in der EU zu profilieren. Dazu sollen die Entscheidungsstrukturen im Straßburger Parlament reformiert werden. Statt mit vielen technischen Abstimmungen soll es sich mehr mit politischen Debatten befassen und in einer erweiterten Union die "Führungsposition" unter den EU-Institutionen übernehmen.

Als weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit als neuer Präsident nannte Cox im Wahlkampf die Vorbereitung des Europaparlaments auf die Zeit nach der EU-Erweiterung. Während seiner Amtszeit, die im Juni 2004 ausläuft, werden voraussichtlich bereits die ersten neuen Mitglieder in die Union aufgenommen. Eine weitere Aufgabe des EP sieht Cox darin, Europa wieder bürgernah zu gestalten und die Demokratie, Transparenz sowie Effizienz im Enscheidungsprozess zu stärken.

Cox studierte Wirtschaftswissenschaften am Trinity College im Dublin, wo er im Jahr 1974 seinen Abschluss machte. Danach war er Dozent am Institut für Öffentliche Verwaltung in Dublin und an der Universität Limerick. In dieser Zeit entwickelte Pat Cox ein großes Interesse an europäischen Angelegenheiten und wurde zum aktiven Fürsprecher des Integrationsprozesses.

Von 1982 bis 1986 arbeitete Pat Cox als politischer Berichterstatter, Sprecher und Journalist für das Fernsehprogramm "Today Tonight". Dort berichtete er über nationale und internationale politische Ereignisse. Im Jahr 1985 stieg Cox als Generalsekretär der neugegründeten Progressive Democrats zunächst in die nationale irische Politik ein, bevor er im Jahr 1989 ins Europäische Parlament gewählt wurde. Im November 1992 wurde Pat Cox Abgeordneter im irischen Parlament, kehrte aber bei den Europawahlen 1994 in das EP zurück. Seit 1998 war Cox Vorsitzender der Fraktion der Liberalen und Demokratischen Parteien im EU-Parlament, derzeit mit 53 Abgeordneten drittgrößte Fraktion.

Der neue Präsident des Europaparlaments ist verheiratet und hat sechs Kinder. Nach Angaben seiner Pressesprecherin ist Cox ein begeisterter Rugby-Anhänger und geht in seiner Freizeit gerne mit seinem Hund wandern. (APA)

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