Für Cohn-Bendit 77 Euroskeptiker "nicht viel"

15. Jänner 2002, 16:45
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Auch einige Grüne stimmten für dänischen EU-Kritiker Bonde - Sozialdemokraten "erwarten, dass wir auf die Knie sinken"

Straßburg - Für den für Frankreich kandidierenden Grünen EU-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit ist das starke Abschneiden des dänischen Konservativen Jens-Peter Bonde bei der Wahl zum Präsidenten des Europaparlaments keine Überraschung. "Es gibt sicher 100 Abgeordnete, die sich abspalten wollen und eine andere Meinung vertreten", sagte Cohn-Bendit in Anspielung auf die euroskeptischen Parlamentarier am Dienstagnachmittag in Straßburg. "77 Euroskeptiker, das ist nicht wahnsinnig viel."

Aufhorchen ließ Cohn-Bendit mit der Aussage, dass auch "einige" Grüne Abgeordnete für den Dänen gestimmt haben. Scharf kritisierte er die Sozialdemokraten, die nicht bereit seien, den Grünen Konzessionen zu machen.

Bonde hatte im zweiten Wahlgang 76 Stimmen erhalten und damit einen dritten Durchgang erzwungen. Favorit Pat Cox, der von der größten und drittgrößten Fraktion im EP unterstützt wird, muss somit weiter um seine Wahl zittern.

"Hegemonie brechen"

Die Fraktionsführung der Grünen habe sich nach dem Rückzug des eigenen Kandidaten Gerard Onesta nach dem ersten Wahlgang auf Cox festgelegt, um die "Hegemonie von Konservativen und Sozialisten" im Europaparlament zu brechen, sagte Cohn-Bendit. Außerdem habe Cox als Vertreter einer kleinen Fraktion mehr Verständnis für die Interessen der Grünen. Die Wahl von Cox sei auch strategisch bedeutsam, da sie nach dem nächsten Europawahlen im Jahr 2004 einem Grünen EP-Präsidenten den Weg ebnen könnte.

Scharfe Kritik übte der EU-Abgeordnete an der Sozialdemokratischen Fraktion. Diese sei nicht bereit, den Grünen im Gegenzug für die Unterstützung ihres Kandidaten David Martin, etwas zu bieten. Man könne nicht erwarten, dass die Grünen immer mit der SPE stimmten: "Wenn es nach ihnen geht, müssten wir immer auf die Knie sinken. Wir sind ja nicht für die Sozialisten gewählt", sagte Cohn-Bendit. Darüber hinaus sei Martin "ein Labour-Mann des Zuschnitts von Blair".

Er selbst glaube nicht, dass sich David Martin im dritten oder vierten Wahlgang gegen Cox durchsetzen könne. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Daniel Cohn-Bendit (l) mit dem Kandidaten Pat Cox

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