Auf dem Weg zur Behindertentauglichkeit

15. Jänner 2002, 14:46
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Forderungen der Behindertenverbände "zum Teil" umgesetzt - Gipfelgespräch am 29. 1.

Wien - Zur Eröffnung des MuseumsQuartiers (MQ) im vergangenen Jahr äußerten Behindertenvertreter zum Teil heftige Kritik an der Behindertentauglichkeit des neuen Kulturareals. Nun sind die geforderten Maßnahmen "zum Teil" umgesetzt, hieß es in einer Aussendung des MQ. Die Umsetzung zusätzlicher Forderungen soll in einem Gespräch Ende Jänner geklärt werden. "Gemacht wurden nur Kleinigkeiten, das wirklich Wichtige ist ausständig", meinte Manfred Srb vom "Bizeps-Zentrum für Selbstbestimmtes Leben" gegenüber der APA. Srb widerspricht der MQ-Aussendung, die betont, dass beim MQ-Bau "alle Normen und gesetzlichen Regeln" eingehalten worden seien.

Das MQ verstoße "in zahlreichen Fällen" gegen die betreffenden ÖNormen B1600 bzw. B1601 und entspreche teilweise "nicht einmal" der Bauordnung: Die zum 7. Bezirk (Breite Gasse) führende Rampe - die "wetterfest adaptiert" werden soll, so die MQ-Aussendung - entspreche der Bauordnung ebenso wenig wie die Geländer bzw. Handläufe bei der Stiege vom MUMOK bzw. dem Restaurant "Halle" zur zweiten MQ-Ebene, meinte Srb.

Budget
Für die Verwirklichung der rund ein halbes Dutzend Vorschläge beinhaltenden Liste weiter führender Adaptionen sei man im MQ dabei, ein Budget aufzustellen, so MQ-Sprecherin Daniela Enzi. Die MQ-Betriebsgesellschaft sei "bemüht", zusätzliche Budgetmittel zu sichern. Gefordert werden unter anderem die weiter gehende Adaption der Lifte mit Absenkung des Bedienungsfeldes, ein Blindenleitsystem im Hof sowie ein zusätzliches Geländer beim Haupteingang. Man wolle in dem Gespräch am 29. 1. mit den Behindertenverbänden und der Bezirksvertretung klären, was verwirklicht werden kann und soll. Bisher sei es "irrsinnig schwierig gewesen", zu einem Konsens zu kommen. Denn "Interessensverband für Interessensverband hat unterschiedliche Vorstellungen".

Für Enzi seien bei der Kritik auch "sehr viele Missverständnisse" dabei gewesen: Die ersten Tests des Areals auf seine Behindertentauglichkeit hätten vor der Eröffnung stattgefunden, wo es "nicht nur mit dem Rollstuhl sehr sehr schwierig war, durchzukommen". Bei einer zweiten Begehung im September "konnten sehr viele Bedenken aufgelöst" werden. Enzi betonte, dass weitere Adaptionen "Zusatzmaßnahmen" darstellten.

Internationale Standards

Dem widerspricht Srb vehement: "Das alles sind keine Zusatzforderungen, sondern internationale Standards, die nicht eingehalten wurden" und die bei einem "international bedeutenden Kulturareal" selbstverständlich sein sollten. Vieles, so die Bedienelemente der Aufzüge und das Blindenleitsystem, seien "schon 1998 zugesagt" worden, dann aber "wohl aus Kostengründen nicht verwirklicht" worden. Jetzt "versucht jeder dem anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben". Nach außen mache man "auf heile Welt". Den Dissens bei den Verbänden erkenne Srb nicht: "Es gibt keinen Verband, der weniger will als die internationalen Standards". Auch von "Missverständnissen" bei den Begehungen will Srb nicht sprechen.

"Die groben Sachen sind gemacht", meinte die Leiterin des ZOOM-Kindermuseums Claudia Haas auf Anfrage der APA. So sei beispielsweise eine Glocke, bei der man früher "ein Massai sein musste, um die zu bedienen", versetzt worden. Einiges fehle jedoch noch. "Aber ich bin so optimistisch, dass jetzt bald die Handwerker in einer Reihe vor unserer Tür stehen werden, um das alles zu reparieren", gab sich Haas ein wenig ironisch zweckoptimistisch. Und manchmal führt ein überwundenes Hindernis zu einem neuen: Eine Schwelle vor der ZOOM-Eingangstüre, die von Behindertenvertretern moniert worden sei, "soll weggemacht werden. Aber das nützt gar nichts, da die dahinter liegende Tür so schwer ist, dass sie kein Mensch im Rollstuhl öffnen könnte". (APA)

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