Britischer Liberaldemokrat Ashdown folgt Petritsch

15. Jänner 2002, 13:55
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Als internationaler Bosnien-Beauftragter - Mandat von Petritsch könnte schon im Mai enden

Sarajewo/Wien - Der ehemalige Vorsitzende der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, soll dem österreichischen Diplomaten Wolfgang Petritsch als internationaler Bosnien-Beauftragter folgen. Wie Medien in Sarajewo am Dienstag weiters berichteten, könnte sich Petritsch bereits im Mai (und nicht wie geplant im August) von seiner Funktion zurückziehen. Auf diese Weise solle sich Ashdown auf die neuen Herausforderungen vorbereiten.

Petritsch übernimmt nach dem Ende seiner Arbeit für Bosnien-Herzegowina die Leitung der österreichischen Vertretung beim Büro der Vereinten Nationen in Genf. Wie die in Sarajewo erscheinende Zeitung "Dnevni avaz" berichtete, solle sich Ashdown vor allem auf die für im Oktober geplanten Wahlen in Bosnien-Herzgewina vorbereiten. "Es wäre nicht produktiv, wenn der Wechsel an der Spitze des OHR (Büro des hohen Repräsentanten) im August vollzogen wird, weil das eine zu kurze Periode ist", wurde die Petritsch-Sprecherin Alexandra Stiglmayer von "Dnevni avaz" zitiert. Petritsch und Ashdown stünden auch in regelmäßigem telefonischen Kontakt und würden über die Situation in Bosnien-Herzegowina diskutieren und ihre Meinungen über bestimmte Fragen austauschen, so die Zeitung.

Treffen mit Bosnischem Außenminister

Die Zeitunge "Oslobodjenje" berichtete, dass der Außenminister Bosnien-Herzegowinas, Zlatko Lagumdzija, am Wochenende im Rahmen seines Besuchs in Großbritannien "mit dem künftigen hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina" zusammen getroffen sei. Den ganzen Samstag hätte Lagumdzija Ashdown über die Situationen in Bosnien-Herzegowinas informiert. Vor allem sei auch über die Perspektiven des Dayton-Vertrages, mit dem 1995 der Krieg (1992-1995) offiziell beendet und das Land in zwei Gebietseinheiten (bosniakisch-kroatische Föderation und bosnische Serbenrepublik) geteilt wurde, diskutiert worden, so die Zeitung unter Berufung auf diplomatische Quellen in Sarajewo.

Ashdown sei als "großer Freund Bosnien-Herzegowinas bekannt", so "Oslobodjenje". Dieses Land habe er auch "in den schwersten Zeiten besucht". Vor allem hätte er den großen Verdienst, der zwischen den ehemaligen Präsidenten Jugoslawiens und Kroatiens, Slobodan Milosevic und Franjo Tudjman, vereinbarten Teilung des Landes einen Riegel vorgeschoben zu haben. Der mittlerweile verstorbene kroatische Präsident habe ihm im Rahmen eines Treffens auf einer Serviette die geplante Teilung Bosnien-Herzegowinas skizziert. Diese improvisierte Karte sei aber später in den Medien weltweit veröffentlicht worden. (APA)

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