Jugoslawiens Ex-Premier droht Auslieferung nach Den Haag

15. Jänner 2002, 13:40
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Sainovic will nicht gegen Milosevic aussagen

Belgrad - Der frühere jugoslawische Vizepremier Nikola Sainovic und der einstige serbische Innenminister Vlajko Stojilkovic gelten als "heißeste" Kandidaten für eine Auslieferung an das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen vor dem 12. Februar. Das berichtet die Belgrader Tageszeitung "Nacional" am Dienstag. Dem Blatt zufolge ist die Chefanklägerin Carla del Ponte bemüht, vor Beginn des Prozesses gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo einige "sichere" Belastungszeugen hinter Gitter zu bringen.

Sainovic und Stojilkovic waren zusammen mit Milosevic im Mai 1999 wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt worden. Anklage war gleichzeitig gegen den damaligen jugoslawischen Generalstabchef Dragoljub Ojdanic und den serbischen Präsidenten Milan Milutinovic erhoben worden. Milutinovic bekleidet als einziger noch immer sein Amt.

Schicksal akzeptiert

"Nacional" berichtet, dass Sainovic sein Schicksal akzeptiert und zwei Bodyguards entlassen habe. Er blicke ruhig seiner Festnahme entgegen. Er wolle sich selbst nicht stellen, werde aber keine Probleme bei der Festnahme machen, zitierte das Blatt Freunde des ehemaligen Vizepremiers. Allerdings soll Sainovic nicht bereit sein, gegen Milosevic auszusagen.

Andererseits soll Stojilkovic gemäß dem Blatt sogar Selbstmordgedanken zu haben, um der "Tortur der Haager Ankläger" zu entgehen.

Das Belgrader Blatt behauptet, dass sich vor Prozessbeginn gegen Milosevic im UNO-Tribunal mindestens zehn einstige Mitarbeiter des früheren jugoslawischen Präsidenten befinden dürften. (APA)

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