"Ich bin frei, zu sein was ich will"

20. Jänner 2002, 13:13
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Muhammad Ali ist 60. Ein (Rück-)Blick auf das außergewöhnliche Leben des "Größten"

Foto: Warner
Berrien Springs/Michigan - Zwei Jahrzehnte nach dem Ende seiner unvergleichlichen Karriere als Boxer ist er weltweit für viele immer noch "der Größte". Auch, weil er sich in seinem letzten, aussichtslosen Kampf gegen das Parkinson-Syndrom nicht bezwingen lassen will.

Muhammad Ali, der am Donnerstag seinen 60. Geburtstag feierte, gilt als der bekannteste Mensch auf diesem Planeten. Den Ruhm hat sich der Weltmeister aller Klassen nicht nur mit überragenden sportlichen Fähigkeiten erworben. Sein starkes Charisma, sein Engagement gegen Rassismus und Krieg, aber auch seine rhetorischen Großtaten (er gilt als erster Slam-Poet) , haben Ali zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrtausends werden lassen.

Cassius Clay vs Sonny Liston I

Als 18-Jähriger gewann der am 17. Jänner 1942 in Louisville/Kentucky als Cassius Marcellus Clay Geborene die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Wie er überhaupt zum Boxen kam? Ein Polizist sah einen 12-jährigen Buben lauthals um seinen abhanden gekommenen Drahtesel schreien. Er werde den Dieb windelweich dreschen, drohte dieser und der Polizist mahnte zur Besonnenheit: "Da müsse er erst einmal stark genug sein." Praktischer Weise war der Ordnungshüter gleichzeitig auch Boxtrainer. Der erste Schritt war getan.

Der Stilist

Als Profi perfektionierte Ali unter der Regie von Trainer Angelo Dundee seinen einzigartigen Stil: Nahezu ohne Deckung boxend, tänzelte er leichtfüßig seine Gegner aus - und ließ diese Luftlöcher schlagen. "Ich schwebe wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene", beschrieb die Galionsfigur seine für einen Schwergewichtler atemberaubend grazile Kampfführung.

"Cassius Clay is Hercules . . . when he scowls, strong men shudder, and when he smiles, women swoon. He rattles the thunder and looses the lightning"
Erstmals eroberte er 1964 den WM-Titel, als er den bis dahin für unbezwingbar geltenden Sonny Liston zur Aufgabe zwang. Mit diesem Kampf machte es sich Ali zu eigen, seine Gegner mit maßlosen Tiraden zu demütigen. Auch der zweite Vergleich mit Liston, den er schon nach 108 Sekunden mit einem Blitz-K.o. beendete, sowie die drei Duelle mit Joe Frazier, von denen er zwei gewann, und der "Rumble in the Jungle" gegen George Foreman in Zaire waren die spektakulärsten Duelle in der 21-jährigen Laufbahn des Muhammad Ali. Den "Thrilla in Manila" 1975 gegen Frazier bezeichnet er selbst als seinen größten Fight.

The Rumble in the Jungle: Ali vs George Foreman

Der Politiker

Mit seinem Bekenntnis zum Islam und dem Eintritt in die als politisch radikal eingestufte Gruppierung der "Black Muslims" hatte Ali seinen "Sklavennamen Clay" abgelegt und die amerikanische Öffentlichkeit geschockt. Hass aus dem reaktionären Lager schlug ihm entgegen, als er 1967 den Vietnam-Krieg öffentlich ablehnte und den Kriegsdienst verweigerte. Man nahm im den Weltmeister-Titel und entzog ihm für dreieinhalb Jahre die Lizenz. Eine fünfjährige Haftstrafe ein musste er nicht antreten. Obwohl er nach seiner Sperre erneut zwei Mal den WM-Titel erkämpfte, erreichte er nie wieder die Eleganz und Leichtfüßigkeit früherer Jahre.

Nach dem Ende seiner Karriere trat Ali immer wieder als politischer Botschafter in Erscheinung 1980 reiste er im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter nach Afrika, um für den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau zu werben. Bei Iraks Diktator Saddam Hussein konnte er 1991 während der Golf-Krise die Freilassung von 15 Landsleuten erwirken; 1996 begleitete er einen Transport medizinischer Güter nach Kuba, wo er sich mit Staatschef Fidel Castro traf. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im vergangenen Jahr verkündete Ali: "Ich kann nicht dasitzen und die Welt denken lassen, dass der Islam eine Religion des Tötens ist. Wenn die Täter Moslems sind, haben sie die Lehre des Islams vergewaltigt. Gott steht nicht hinter Mördern."

Krankheit

Ob die Erkrankung am Parkinson-Syndrom Folge des Boxen ist, konnte bis heute nicht geklärt werden, ist aber wahrscheinlich. In seinen letzten Kämpfen musste er mehr einstecken, als in seiner gesamten Karriere vorher (von 61 Profikämpfen gewann er 56, 37 davon vorzeitig). Ali lässt sich von seiner körperlichen Behinderung allerdins nicht unterkriegen. Die Entzündung des Olympischen Feuers 1996 in Atlanta hat sich In das Gedächtnis von Milliarden Zuschauern gegraben.

"Ich betrachte dies als einen Test Gottes", meinte der neunfache Vater.. "Ich war mal so groß und so stark. Nun ist es die Parkinson-Krankheit. Und der Geist ist auch nicht mehr das, was er einmal war." Doch Ali will nicht lamentieren. "Du wirst eines Tages sterben. Also sei bereit, um in den Himmel zu gehen und um ewig glücklich zu leben." (APA/dpa)

LINKS

www.ali.com
The Boxing Hall of Fame
Time: "The Greatest: Muhammad Ali"
BBC:"Living up to the hype: Ali vs Frazier"
Ali im Film: "When we were kings"

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