Greenpeace warnt vor "Ausverkauf des Erbgutes"

15. Jänner 2002, 12:35
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"Biopiraterie" und Zugriff auf Gene sollen gestoppt werden

Paris - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat vor einem "Ausverkauf des Erbgutes" von Pflanzen, Tieren und Menschen gewarnt. Allein in den vergangenen zwei Jahren habe das Europäische Patentamt (EPA) zwölf Patente auf Tiere, 54 auf Pflanzen und über 150 Patente auf menschliche Gene erteilt, hieß es nach Angaben von Greenpeace am Dienstag in Paris.

Als Beispiel nannte die Organisation ein Patent auf Gene, die bewirken, dass Lachse acht Mal schneller wachsen. Für diese Fische sei in den USA bereits eine Genehmigung zur Vermarktung beantragt worden. Anlass der Pressekonferenz war eine Debatte in der französischen Nationalversammlung über die Bioethik, die bis Freitag andauert.

"Der Zugriff der Industrie auf die Gene von Menschen, Pflanzen und Tieren muss gestoppt werden", sagte der Greenpeace-Patentexperte Christoph Then. Greenpeace verurteilte in diesem Zusammenhang "klare Fälle von Biopiraterie", bei denen das Europäische Patentamt auf Nutzpflanzen aus Mexiko und Afrika ohne Zustimmung der Herkunftsländer Patente erteilt habe.

Besonders bedrohlich nannte Greenpeace die Situation bei Patenten auf Saatgut. "Bei der Nutzung eines Reiskorns müssen gelegentlich Dutzende Patente beachtet werden. So wird der Zugang zur biologischen Vielfalt blockiert", sagte Then. Die Firma Aventis habe beispielsweise im November 2000 ein Patent auf gentechnisch veränderte Pflanzen erhalten, die wegen teilweiser Unfruchtbarkeit nicht zur Aussaat wiederverwendet werden könnten. Durch dieses Verfahren könnten Landwirte dazu gezwungen werden, Saatgut jedes Jahr neu zu kaufen, erklärte Greenpeace.

In der Parlamentsdebatte in Paris über die Neufassung des Bioethik-Gesetzes aus dem Jahr 1994 geht es auch um die Genehmigung des therapeutischen Klonens von Stammzellen zur Heilung von Parkinson- oder Alzheimer-Kranken. Ferner wird über eine mögliche Genehmigung der Forschung an "überschüssigen" Embryonen beraten, die nach einer künstlichen Befruchtung übrig bleiben. (APA)

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