Österreich trocknet aus ...

15. Jänner 2002, 16:01
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In manchen Regionen versiegen die Quellen - Diskussion um Hilfeleistung der Feuerwehren

Wenig Niederschläge während des vergangen Jahres und vor allem in der laufenden Wintersaison, gepaart mit bisweilen strengem Frost: In einigen Teilen Österreichs sind derzeit die Quellen praktisch am Versiegen. Besonders betroffen ist die Süd- und Südoststeiermark, wo die Feuerwehren im Dauereinsatz das begehrte Nass in Tankwägen ausführen müssen. Auch in Tirol herrscht bereits extreme Trockenheit, vorerst aber noch kein Wassermangel. In anderen Bundesländern - etwa in Ober- und Niederösterreich - gibt es vorerst noch keine nennenswerten bzw. überhaupt keine Probleme. Und Vorarlberg scheint mit weißer Pracht derart gesegnet, dass Wasser in Hülle und Fülle zur Verfügung steht.

Mit Wasser-Tankwägen gegen Trockenheit

In der Steiermark vermeldet das Landesfeuerwehrkommando im Zusammenhang mit der Trockenheit jedenfalls ein "extremes Ansteigen" der Tankwagenanforderungen in der Süd und Südost-Steiermark. "Die Einsätze haben jetzt ein Ausmaß angenommen, das den normalen Ablauf bei weitem übersteigt", erklärt der stellvertretende Landesfeuerwehrkommandant Albert Kern. Im Vorjahr habe man 14.000 Transporte registriert, in den Jahren davor waren es 8.000 bis 10.000.

Vermehrte Anforderungen haben negative Auswirkungen auf Einsatzbereitschaft

Nach dem trockenen Sommer und dem bisher niederschlagsarmen Winter habe sich die Situation nun zugespitzt, hieß es von den Feuerwehren. Die vermehrten Anforderungen schlügen sich natürlich ungünstig auf die Einsatzbereitschaft insgesamt nieder, so Kern. Dazu käme durch die Fahrten in exponierte Gegenden ein beträchtliches Potenzial an Unfallgefahren sowie ein zunehmendes Personalproblem bei den Freiwilligen, zumal die Arbeitgeber die Freistellungen beschränkten.

"Die Kommunen haben sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf die Feuerwehren verlassen", resümiert der Feuerwehr-Funktionär. Dabei sei die kommunale, aber auch die private Wasserversorgung vielerorts vernachlässigt worden - hier bestehe nun dringender Handlungsbedarf.

Debatten über Aufgabenbereiche der Feuerwehr

Für die Klagen der Florianijünger hat zumindest die politische Seite wenig Verständnis: Umweltlandesrat Erich Pöltl meinte, die Versorgung mit Wasser aus Tanklastzügen gehöre eben zu den Aufgaben der Feuerwehren, die Geräte seien nicht nur da, um sie bei Leistungsschauen vorzuzeigen, so der VP-Landesrat sinngemäß. In der Steiermark sind im vergangenen Jahr nur 60 Prozent der Niederschläge von so genannten "Normaljahren" verzeichnet worden, was die Grundwasserbildung in manchen Regionen erheblich beeinträchtigt hat.

Im Rahmen des "Wasserversorgungsplan Steiermark" sind derzeit mehr als ein dutzend Bauvorhaben in der Größenordnung von rund 6,25 Millionen (86,0 Mill. S) Euro geplant. Eines der großen Vorhaben betrifft jene Leitung, die im Rahmen der gerade im Bau befindliche zweiten Röhre des Plabutsch-Straßentunnels mit verlegt wird. Sie soll 200 Liter Wasser pro Sekunde aus der Obersteiermark in die Trockengebiete des südost- und weststeirischen Raums transportieren.

Auch Tirol trocken - In OÖ nur vereinzelt Brunnen oder seichte Quellen eingefroren

Auch in weiten Teilen Tirols herrscht zur Zeit extreme Trockenheit. Akut davon betroffen seien besonders Ost- und Südtirol. Eine Wasserknappheit herrsche aber noch nicht. Auch die Landwirtschaft sei vorerst noch nicht betroffen, da sie sich in eine "Ruhephase" befinde, hieß es am Dienstag bei der Tiroler Landwirtschaftskammer. Der für Ende Jänner erwartete Wetterumschwung werde die Situation in Tirol wieder verbessern, sagte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer.

Keine Probleme in Wien

Wien dagegen ist anders: In der Bundeshauptstadt gab es bisher in diesem Winter keine Wasser-Probleme, wie die Stadtwerke versicherten. Es bestehe auch "in keiner Weise" die Gefahr einer Knappheit, wurde betont.

Auch in Niederösterreich ist von Trockenheit "absolut nichts bekannt", hieß es auf Anfrage im Büro von Agrarlandesrat Josef Plank (V). Zuletzt habe es vielmehr gebietsweise starke Niederschläge mit sehr viel Schnee gegeben.

Einzelfälle

Damit ist die Lage ähnlich jener in Oberösterreich: Es gebe keine Probleme, so die Landwirtschaftskammer am Dienstag. Lediglich in einzelfällen könne es sein, dass Brunnen oder seichte Quellen eingefroren sind. Auch in Salzburg wurden bisher keine Wasserversorgungsprobleme registriert.

Nichts von einer Trockenheit ist auch in Vorarlberg zu bemerken. Ausreichende Niederschläge im November und Dezember sorgen für genügend Wassernachschub, wie Gebhart Bechter von der Obst- und Gartenabteilung der Landwirtschaftskammer berichtete. Zudem liege im gesamten Ländle und sogar im Rheintal seit Wochen eine geschlossene Schneedecke. Bechter: "Wir haben einen Winter wie schon seit vielen Jahren nicht."

Auch Kärnten trocken - Diskussion um Hilfeleistung der Feuerwehren entbrannt

Auch in Kärnten herrscht in weiten Teilen extreme Trockenheit "Das ganze Land ist betroffen", hieß es in der Landedesalarm- und -warnzentrale (LAWZ). Die Feuerwehren sind den ganzen Tag im Einsatz, um abgelegene Haushalte und Bauern mit Wasser zu versorgen.

Besonders in den Bezirken St. Veit/Glan, Völkermarkt und Wolfsberg sind die Feuerwehrmänner im Dauereinsatz. Dazu kommt die finanzielle Belastung: Das Treibstoffbudget einiger Wehren neigt sich dem Ende zu.

"Aufgabe der Feuerwehr sind eigentlich nur Einsätze, wo Gefahr im Verzug ist. Hilfeleistungen wie Wasserlieferungen müssten von Gemeinden und Betroffenen nach einem österreichweit geltenden Tarifsystem bezahlt werden", erklärte Landesfeuerwehrkommandant Adolf Oberlercher. In Kärnten seien viele Leistungen dieser Art zu einer Selbstverständlichkeit geworden. "Wenn das aber über Gebühr strapaziert wird, dann hört sich die Freiwilligkeit auf", fügte Oberlercher hinzu. (APA)

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