USA: "Möglichkeit eines Krieges minimieren"

15. Jänner 2002, 17:45
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Powell in Neu-Delhi und Islamabad

Washington/Neu-Delhi - Die USA haben Indien und Pakistan aufgefordert, ihre Truppen von der gemeinsamen Grenze und der Kaschmir-Demarkationslinie zurückzuziehen. Die Möglichkeit eines Kriegsausbruchs zwischen den beiden Atommächten müsse minimiert werden, sagte US-Außenminister Colin Powell am Montag (Ortszeit) dem TV-Sender CNN. Kurz vor seiner Reise in die südasiatische Region begrüßte Powell die jüngste Rede des pakistanischen Staatschefs General Pervez Musharraf. Diese habe die Aussichten auf Fortschritte zwar erhöht, es seien aber noch Diskussionen mit beiden Seiten nötig.

Musharraf hatte in seiner Radio- und Fernsehrede am Samstagabend das Verbot von fünf militanten islamischen Organisationen bekannt gegeben und ein entschiedeneres Vorgehen gegen den Terrorismus angekündigt. Seit Samstag hat die pakistanische Polizei bereits 1900 mutmaßliche Extremisten festgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums in Islamabad sind landesweit etwa 600 Büros der fünf verbotenen Organisationen geschlossen worden. Die Zentralbank sei angewiesen worden, die Konten der Gruppen einzufrieren.´

"Grenzüberschreitenden Terror" unterbinden

Der indische Verteidigungsminister George Fernandes wollte am Dienstag zu einem Besuch nach Washington aufbrechen. Fernandes sagte, eine Entspannung könne es erst geben, wenn die pakistanische Führung tatsächlich den "grenzüberschreitenden Terror" unterbinde. Indien werde genau verfolgen, ob Musharraf seine Zusage einhalten könne, dass Pakistan nicht mehr Ausgangspunkt von Terroraktionen gegen Indien sein werde.

Der indische Innenminister Lal Krishna Advani hat eine positive Bilanz seiner sechstägigen USA-Reise gezogen. Washington "verstehe" die entschlossene Haltung Indiens gegen den "grenzübergreifenden Terrorismus" und gegen das Eindringen militanter Moslems aus Pakistan, sagte Advani am Dienstag in Neu-Delhi. "Niemand hat mir gesagt: das, was ihr tut, ist nicht gut". Der Minister war mit US-Präsident George W. Bush, Außenminister Powell, Justizminister John Ashcroft sowie Vertretern der Bundespolizei FBI und des Geheimdienstes CIA zusammengetroffen.

Streitpunkt: Auslieferung von Extremisten

Indien hat vor der Ankunft von Powell seine Forderung an Pakistan nach Auslieferung mutmaßlicher Kaschmir-Separatisten bekräftigt. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen diese Leute zurück", sagte Außenminister Jaswant Singh am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Neu-Delhi. Indien fordert von Pakistan die Auslieferung von 20 indischen und pakistanischen Staatsangehörigen, darunter auch angebliche Drahtzieher des Anschlags auf das indische Parlament vom Dezember. Musharraf hatte in seiner Rede eine Auslieferung pakistanischer Staatsbürger kategorisch abgelehnt, die Behandlung von Ausländern aber offen gelassen. Pakistanis würden im eigenen Land vor Gericht gestellt, wenn Beweise gegen sie vorlägen, hatte der Militärmachthaber erklärt. (APA/Reuters)

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