Infineon-Chef Schumacher offen für Akquisitionen im Telekom-Bereich

15. Jänner 2002, 11:20
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Akut kein Kapitalbedarf - Belebung des weltweiten Speichermarkts in Sicht - Derzeit kein weiterer Stellenabbau geplant

Nach den gescheiterten Kooperationsverhandlungen im verlustreichen Speichergeschäft sieht sich der Halbleiter-Hersteller Infineon nach Kandidaten im Telekommunikationsbereich um. Zurzeit seien die Konditionen für Zukäufe besonders günstig, sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher eine Woche vor der Hauptversammlung in München.

"Wieder Unternehmen mit Substanz

"Früher haben Sie für ein bis zwei Milliarden Dollar ein Start-up bekommen - heute gibt es dafür wieder ein Unternehmen mit Substanz." Ein weiterer Stellenabbau über die bisher angekündigten 5.000 Arbeitsplätze hinaus ist nach Angaben Schumachers derzeit nicht in Sicht.

Telekom-Markt mit enormem Potential

Trotz des herben Dämpfers 2001 biete der Telekommunikationsmarkt enormes Potenzial, sagte Schumacher. "Die Telekommunikationsmarkt ist nach wie vor das attraktivste Segment." Bezahlen würde Infineon einen möglichen Zukauf nach Worten Schumachers am liebsten mit Aktien. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Infineon mit der Ausgabe einer milliardenschweren Wandelanleihe frisches Kapital beschafft. "Das ist eine günstige Form der Finanzierung", sagte Schumacher. Akut habe Infineon keinen Kapitalbedarf, bekräftigte er.

Belebung des Speicherchip-Marktes

Inzwischen mehren sich nach Einschätzung von Schumacher die Anzeichen für eine Belebung des weltweiten Geschäfts mit Speicherchips. "Erstmals ist die Nachfrage für Speicherbausteine und Chips für die Mobilkommunikation nach Weihnachten nicht im üblichen Maße eingebrochen." Die Lagerbestände seien bei Produzenten wie Kunden mittlerweile weitgehend abgebaut. Da gleichzeitig die Preise für Speicherchips anzogen, gebe es Grund für vorsichtigen Optimismus.

Millardenverlust

Die Speicherchip-Krise hatte Infineon im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) einen Milliardenverlust beschert, für den Schumacher auch den Preisdruck aus Korea verantwortlich machte. Trotz des geplanten Abbaus von 5.000 Stellen und eines rigiden Sparkurses werde der Konzern erst die Gewinnschwelle erreichen, wenn die Speicherpreise weiter anziehen, sagte Schumacher. Die Preise für einen 128-Megabit-Chip waren 2001 bis auf unter einen Dollar gefallen. Zuletzt zogen sie bis auf über drei Dollar an. Die Entwicklung sei überraschend gekommen, sagte Schumacher. "Auch wir passen unsere Preise an." Es sei durchaus vorstellbar, dass der positive Trend bei der Preisentwicklung anhalte.

Gewinnschwelle soll wieder erreicht werden

Die Vollkosten für die Herstellung eines Speicherchips liegen allerdings noch immer bei etwa sechs Dollar für einen 128-MB- Baustein. Mit Hilfe des Sparprogramms "Impact" und mit der neuen 300-Millimeter-Technologie im Dresdner Werk solle die Gewinnschwelle bei Infineon bis Ende des Jahres auf unter vier Dollar gesenkt werden, kündigte Schumacher an. "Damit können wir die Kostenführerschaft ausbauen."

Preisdruck wird sich fortsetzen

Der Preisdruck auf dem Speicherchipmarkt wird sich nach Einschätzung von Schumacher trotz der schmerzlichen Erfahrungen der vergangenen Monate fortsetzen. Auch auf dem Chipmarkt für drahtlose Anwendungen wie den Mobilfunk könne es in Zukunft durch neue Anbieter zu einer ähnlichen Situation wie bei Speicherchips kommen.

Karten werden neu gemischt

Im Geschäft mit Speicherchips, die vor allem in PCs eingesetzt werden, werden die Karten derzeit weltweit neu gemischt. Infineon verhandelte mit Konkurrent Toshiba monatelang über ein Zusammenlegen der Speicherbereiche unter Führung Infineons. In letzter Minute platzten die Verhandlungen. Toshiba gibt seinen Speicherbereich nun weitgehend auf und verkauft eines der Werke an den US-Konzern Micron, der derzeit mit dem koreanischen Hynix in Verhandlungen steht.

Neue Technologie

Mit Hilfe der 300-Millimeter-Technologie, bei der mehr Chips auf einer Siliziumscheibe produziert werden, könne Infineon auch ohne Zukäufe oder Kooperationen Kapazitäten ausbauen, sagte Schumacher. Im Speicherbereich steht er weiterhin zu der Aussage, dass sich die Liquiditätssituation Infineons bei einer Kooperation nicht verschlechtern dürfe. "Wir wollen und werden kein Geld ausgeben."

Kein weiterer Stellenabbau geplant

Wegen der jüngsten Anzeichen für einen Aufschwung rechnet Schumacher derzeit nicht mit weiterem Stellenabbau. "Es sei denn, es fände ein erneuter Einbruch in der Halbleiterkonjunktur statt, von dem momentan aber niemand ausgeht." Trotz harter Gewerkschaftskritik habe das Image Infineons als Arbeitgeber nicht gelitten. Bei weniger als zehn Prozent der 5.000 betroffenen Stellen seien betriebsbedingte Kündigungen notwendig. Die Details des mit dem Gesamtbetriebsrat ausgehandelten Sozialplans sollen am Mittwoch (16. Jänner) vorliegen.(APA/dpa)

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