BBAG verkauft Güssinger an Aqua Montana

15. Jänner 2002, 14:07
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Österreichs viert bekanntestes Mineralwasser geht an deutsche Vertriebsfirma

Linz/Wien - Österreichs größter Getränkekonzern, die börsenotierte BBAG, hat die Güssinger Mineralwasser GmbH an die deutsche Aqua Montana verkauft. Dies teilte die BBAG am Dienstag ad-hoc mit. Aqua Montana erwirbt damit die viert bekannteste Wassermarke Österreichs. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Die BBAG nannte den Erhalt des Standorts und der rund 25köpfigen Belegschaft nebst "finanzieller Modalitäten" ausschlaggebend, das Offert von Aqua Montana anzunehmen. Laut BBAG-Vorstand Walther Sachs hat man sich damit nicht nur auf den Verkauf, sondern auf ein Konzept für die Zukunft von Güssinger geeinigt, das auch den Mitarbeiten eine "dauerhafte" Lösung biete.

"Tor zum Osten"

Für den neuen Eigentümer des Mineralwasserbetriebs Güssinger (inklusive Severin) ist der burgenländische Abfüllbetrieb auch "Tor zum Osten", wo Aqua Montana mit Sitz in Eching/Deutschland nach Angaben von Österreich-Sprecher Markus Knoll in Zukunft vor allem mit Fruchtsäften die Märkte aufrollen will. In Güssing solle der Abfüllbetrieb, auch unter Zuhilfenahme von Förderungen, erweitert werden. Die Marke Güssinger solle erhalten bleiben und als "Sportwasser" vermarktet werden. Für alle Fälle hat Aqua Montana für Österreich zusätzlich einen eigenen Markennamen angemeldet. Binnen weniger Monate werde am Standort Güssing auch mit der Abfüllung von Fruchtsäften für den österreichischen und deutschen Markt begonnen, kündigten die neuen Besitzer am Dienstag an.

Aqua Montana, im Besitz dreier privater Geschäftsleute, setzte 2001 im Import und Vertrieb von Mineralwasser (Handelsmarken), rund 100 Mill. DM (51 Mill. Euro/703 Mill. S) um. Vertrieben werden zudem Sportgetränke, Limonaden und Fruchtsäfte. Durch Beteiligung an Quellen sei man nun auch zum "unabhängigen Produzenten" geworden. Für Aqua Montana ist Güssinger die zweite operative Beteiligung. Zuvor bestand schon eine Drittel-Beteiligung an einem italienischen Abfüller (Arezzo).

Keine Kündigungen

Güssinger beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter, Aqua Montana plant nach eigenen Angaben keine Kündigungen, sondern die Abfüllung im Schichtbetrieb auszubauen. Geplant ist neben der Produktion alkoholfreier Getränke der Bau einer Abfüllanlage für Leichtflaschen. Zum Investitionsvolumen wurden keine Angaben gemacht, die neuen Eigentümer sind aber schon vor Ort, wo heute ein Architekt für die Umbaupläne beigezogen wurde. Nach dem Erwerb von Güssinger wolle Aqua Montana die notwendigen Mineralwasserkapazitäten für die Expansion nützen und mittelfristig auch die benachbarten Märkte beliefern. Die BBAG will sich nun vor allem auf die strategische Ausrichtung ihrer Marke Gasteiner konzentrieren.

Zuletzt Defizit

Güssinger ist Österreichs viertbekanntestes Mineralwasser, hat zuletzt aber Einbrüche erfahren und Defizit gemacht. Im Jahr 2001 wurden aus Güssing (Güssinger/Severin) rund 250.000 hl Mineralwasser abgesetzt. Während "Güssinger" Handel und Gastronomie beliefert, war "Severin" als billigeres Mineralwasser für den Lebensmittelhandel positioniert.

Die deutsche Wasservertriebsfirma Aqua Montana ist seit 1997 aktiv. Ihr Liefersortiment umfasst nach eigenen Angaben 24 umsatzkräftige, überwiegend italienische, Marken. Weitere eingetragene Marken sind Aqua Perla, Santafiora, Zauberberg und Broncos fit-Sportgetränke. Güssinger gehört über die im Vorjahr gegründete Österreich Tochter Aqua Montana Handels- und Betriebs GmbH (Innsbruck) zum deutschen Getränkeunternehmen, ein Prozent hält der Tiroler Rechtsanwalt und Aqua Montana-Berater Markus Knoll. (APA)

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