Fed-Gouverneure sehen erste Zeichen für US-Konjunkturerholung

15. Jänner 2002, 10:54
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Daten ließen auf eine Wende im verarbeitenden Gewerbe schließen

New York/Chicago - Einige Gouverneure der US-Notenbank (Fed) sehen erste Anzeichen für eine Erholung der US-Konjunktur, warnen aber vor verfrühten Hoffnungen. "Es gibt Unterschiede in den Ansichten, ob der Aufschwung stark, relativ stark oder sehr stark sein wird. Ich wüßte gern die Antwort auf diese Frage", sagte der Chef der Fed von New York, William McDonough, am Montag.

McDonough ist stimmberechtigtes Mitglied in dem für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschuss der Fed. Die Zinssenkungen von 2001 ließen noch wirtschaftliche Auswirkungen erwarten. Seit Anfang Jänner gingen zudem von den im Vorjahr beschlossenen Steuersenkungen weitere Impulse aus. Auch der Präsident der Fed von Chicago, Michael Moskow, sagte, es gebe einzelne Zeichen einer Wirtschaftserholung.

Vorsichtige Aäußerungen

In McDonoughs Rede beim New Yorker Insitute of International Bankers klangen die vorsichtigen Äußerungen des Fed-Chefs Alan Greenspan aus der Vorwoche wider. Greenspan hatte am Freitag gesagt, dass sich die Wirtschaft stabilisiert habe, aber weiter Risiken bestünden. Damit hatte er Analysten zufolge die Tür für eine weitere Leitzinssenkung der Fed um 25 Basispunkte Ende Jänner weit offen gelassen. Die Notenbank hat 2001 den Schlüsselzins in elf Schritten um insgesamt 475 Basispunkte auf 3,75 Prozent heruntergeschraubt.

Der Verbraucher habe auch im gegenwärtigen Abschwung weiter Geld ausgegeben, insofern sei die aktuelle Rezession eher ungewöhnlich, sagte McDonough weiter. Wenn die Konsumenten jetzt nicht ihre Ausgaben noch steigern könnten, so müssten dies die Unternehmen mit erhöhter Investitionsnachfrage ausgleichen. Zudem gebe es Impulse für die Konjunktur, wenn die Firmen ihre stark gesunkenen Vorräte wieder auffüllten. "Zu einem gewissen Zeitpunkt - wahrscheinlich in etwa jetzt - haben die Lagerbestände ein Niveau erreicht, zu dem die Unternehmer annehmen, (...) dass sie jetzt einfach wieder bestellen müssen", sagte er weiter.

Moskow sagte in Chicago, jüngste Daten ließen auf eine Wende im rezessionsgeplagten verarbeitenden Gewerbe schließen. "Wir haben einige vorläufige Zeichen festgestellt, die auf einen Wendepunkt dieses Sektors hindeuten", sagte Moskow im Chicago. "Ich muss betonen, dass wir uns immer noch in einer Phase der Unsicherheit befinden." Derzeit gebe es nur ein geringes Produktivitätswachstum, aber "ich bin für den längerfristigen Ausblick für die Produktivität positiv eingestellt." Die Produktivitätsentwicklung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Indikatoren für die Zinsentscheidungen der Fed entwickelt.

McDonough wies weiter auf die Bedeutung des Euro als möglich weitere Reservewährung hin. "Es ist sehr wichtig für das Gleichgewicht der Weltwirtschaft, eine weitere wichtige Reservewährung zu haben, die mit dem Dollar im Wettbewerb steht", sagte er mit Hinweis auf den Euro. Am Devisenmarkt kam es jedoch zu keiner Reaktion auf diese Äußerungen. (APA/Reuters)

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