Wie sich Hang zum Selbstmord literarisch ausdrückt

14. Jänner 2002, 20:53
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Textanalyse: nicht Häufung trauriger Ausdrücke, sondern Ich- Zentriertheit sei das entscheidende Symptom

Weinheim - Bereits die Sprache eines Dichters verrät, ob er einen Hang zum Selbstmord hat. Dabei drücken gefährdete Poeten in ihren Texten vor allem das Gefühl der Isolation aus und nicht unbedingt eine tiefe Traurigkeit, wie ein US-Forscher herausfand. "Die Gedichte zeigen, dass sich deren Verfasser von anderen Menschen isoliert fühlten und sich in erster Linie mit sich selbst beschäftigten", schreibt das Magazin "Psychologie heute" in seiner Februarausgabe.

Der Psychologe James W. Pennebaker von der Universität Texas in Austin analysierte die Sprache in 300 Werken von 18 Dichtern. Neun davon starben eines natürlichen Todes, neun durch Selbstmord wie etwa Sylvia Plath und Wladimir Majakowski.

Egozentriert

Dichter und Dichterinnen, die Selbstmord begingen, nutzten viel mehr Begriffe, die um das eigene Ich kreisen. Und zwar im gesamten Werk und nicht erst kurz vor ihrem Suizid, berichtet das Magazin mit Hinweis auf die Studie. Deutlich seltener als ihre Kollegen verwendeten sie dagegen Worte der Kommunikation wie "sprechen", "teilen" oder "zuhören". Sie schrieben jedoch nicht häufiger über negative Gefühle als andere Dichter.

Pennebaker: "Es ist nicht die Traurigkeit, es sind die Isolation und das Unvermögen, mit anderen in Kontakt zu treten, die in den Werken der suizidalen Dichter zum Ausdruck kommen." Die Original-Studie ist im Fachjournal "Psychosomatic Medicine" (7/8, 2001) erschienen. (APA/dpa)

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