"Gefragt ist vor allem Begeisterung"

14. Jänner 2002, 20:34
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In der Biotechnologie mangelt es noch an Weiterbildungsangeboten

STANDARD: Ist die Biotechnologie auch für Arbeitsuchende offen, die keine Vorkenntnisse haben, die also keine Immunologen oder Mikrobiologen sind?

Werner Lanthaler: Prinzipiell ja. Die Branche braucht zum Beispiel auch Betriebswirte oder Marktforscher - weil man eine Idee auf ein strategisches Fundament zu stellen hat und es für neue Medikamente auch einen Markt geben muss. Auch Juristen, insbesondere Patentjuristen, werden benötigt. Ebenfalls PR-Manager, die die Öffentlichkeit aufklären können, was bisher noch immer nicht ausreichend geschehen ist - man denkt, wenn das Wort Biotechnologie fällt, doch immer noch hauptsächlich an dreiohrige Mäuse. Vor allem aber werden Bioinformatiker gebraucht. Hier ist ein Verständnis von Immunologie und Mikrobiologie allerdings auch hilfreich.

STANDARD: Warum ist die Nachfrage nach Bioinformatikern so groß?

Werner Lanthaler: In der Biotechnologie wird eine große Menge an Datenmaterial produziert. Das sollte man einer intelligenten Analyse unterziehen. Es ist wichtig für ein gezieltes Fortführen der Arbeit, deshalb werden Bioinformatiker gebraucht. Nur gibt es die selten, weil man als Informatiker in der Regel keine Vorkenntnisse von der Life-Science-Industrie hat. Dazu ist die Biotechnologie noch zu jung.

STANDARD: Wie können sich Arbeitsuchende also weiterbilden, wenn sie sich für Jobangebote in dieser Branche interessieren?

Werner Lanthaler: Das ist leider oft noch eine Holschuld für jeden Weiterbildungsinteressierten. Es ist zwar ein breites Wissensangebot vorhanden - etwa durch die Innovationsagentur. Und es gibt auch Netzwerkangebote, unter anderem vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds. Was fehlt, ist der Kurs XY, den ich belegen kann, um spezielle Inhalte vermittelt zu bekommen. Vielen Biotech-Unternehmen ist aber klar, dass Weiterbildung auch zu einer Bringschuld werden muss. Es braucht hier neue Initiativen, Förderungen, Kursprogramme seitens der Firmen.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Situation an den Universitäten?

Werner Lanthaler: Bildung findet in diesem Bereich etwas anders statt wie etwa in den USA. Man müsste die Inhalte der Unis noch mehr mit denen der neuen Industrie verknüpfen. Die Situation verbessert sich aber, man muss doch immer wieder bedenken, wie jung die Branche hierzulande ist: etwa zwei Jahre alt. Ich erwarte mir auch viel von einer möglichen Fachhochschule, die am Campus Vienna Biocenter entstehen soll.

STANDARD: Wie aber qualifiziert man sich bis dahin für Jobs in der Biotechnologie? Wer jetzt Interesse hat, wird vielleicht nicht so lange warten können.

Werner Lanthaler: Gefragt sind vor allem Begeisterung für die Forschung. Und der Wille, sich notwendiges Wissen auch während der Arbeit anzueignen - "Training on the job". Je mehr Erfahrung man in seinem angestammten Beruf hat, umso besser sollten die Chancen für einen Wechsel stehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 1. 2002)

In der Biotechnologie mangelt es noch an Weiterbildungsangeboten, meint Werner Lanthaler, Finanz-und Marketingvorstand der Biotech-Firma Intercell. Kurse seien auch eine "Bringschuld" der Unternehmen.

Von Peter Illetschko
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