Ja zum Leben, nein zur Krone: Gemein!

15. Jänner 2002, 18:36
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15. Jänner 2002

Günther Nenning ist Österreichs DDr. Wendehals. Als bei Hans Dichand der Temelín-Wahn in schweren Schüben einsetzte, verkündete er Anfang Dezember 2001 noch fürwitzig, er werde das Volksbegehren nicht unterstützen, weil: Als blaues Aushängeschild geb ich mich nicht her. Soviel Blauäugigkeit reute ihn ziemlich bald, und gestern zog er in gebotener Anhänglichkeit ans Herrl endgültig die Summe der mit ihm gemeinsamen Meinungen und verkündete die Nicht-blaue Woche.

Mit der Bauernschläue, mit der er schon beim Dichten seines Schollen-Manifestes geglänzt hat, möchte er die Verantwortung für das Volksbegehren von denen, die es organisiert haben, ab-und denen zubeuteln, die es unterschreiben sollen. Die Eintragungswoche für das Volksbegehren gegen Temelín wird eine nicht-blaue Woche, obwohl sich der blaue Anstifter nach wie vor zu seiner Idee bekennt, nur die Ausführung teilt er sich mit Cato. Aber Meinungsumfragen zeigen: Wahrscheinlich wird eine Mehrheit der Unterschreiber nicht blau sein.

Als ob das etwas an den blauen Zielen änderte, wie sie im Begehrenstext festgehalten sind. Obwohl Nenning weiß, dass ein Verfassungsgesetz, das den EU-Beitritt Tschechiens von einer Stilllegung Temelíns abhängig macht, nicht zustande kommen kann, weil nicht einmal Haiders Koalitionspartner dafür zu haben ist, prostituiert er sich freudig als blaues Aushängeschild - irgendwie muss halt die Butter aufs Brot. Atomkraftwerke sind eben doch gefährlich: Noch nicht angefahren, verursachen sie schon schwerste Rückgratschäden.

Verständlich, dass Cato nicht länger zu Kompromissen bereit ist. Für ihn sind die Lobbys jener, die meinen, sie können das Problem Atomenergie durch Verhandlungskompromisse lösen, in Panik geraten. In dieser Situation sind die zu allem fähig, eingewoben in schrankenlosen Materialismus oder bedenkenlos nach politischer Macht strebend. Sie haben ihre Zeitungen organisiert, um die zur Unterschrift bereiten Prominenten, hauptsächlich Schauspieler und Sportler, unter Druck zu setzen.

Schon die Aussicht, dass es der "Kronen Zeitung" gelungen sein dürfte, das Volksbegehren gegen Temelín sehr erfolgreich vorzubereiten, hat von Seiten der Konkurrenz zu bedenklichen Aktionen geführt. So wurden prominente Künstler und Sportler unter Druck gesetzt, ihre Mitteilung der "Krone" gegenüber, das Volksbegehren zu unterschreiben, zurückzunehmen. Einzelne Prominente, die damit rechnen mussten, von Zeitungen künftig boykottiert zu werden, haben dem Druck anscheinend nachgegeben, andere nicht - vor allem die nicht, die damit rechnen mussten, von einer Zeitung künftig boykottiert zu werden, und glauben, auf sie angewiesen zu sein.

O du schrankenloser Materialismus, der du Menschen zu der verwerflichen Ansicht treibst, man könne gegen die Atomenergie sein, ohne für die FPÖ zu unterschreiben, und man könne Ja zum Leben sagen, und dennoch Nein zur "Krone"! Auf diese Weise kam es zu einer sehr argen Verleumdungs-Kampagne gegen die "Kronen Zeitung", die entlarvende gerichtliche Nachspiele haben wird! Recht so - wir können es gar nicht mehr erwarten, bis die Verleumder der "Krone" vor den Schranken des Gerichtes entlarvt werden.

Das wird leider noch einige Zeit dauern, und bis dahin gilt es für Cato, gleich auch noch einer anderen sehr argen Verleumdungs-Kampagne gegen die "Kronen Zeitung" vorzubeugen, des Inhalts, er hätte etwas gegen Wolfgang Schüssel. Wenn der Bundeskanzler bei den nächstens Wahlen nicht mehr gewählt werden sollte, dann allerdings wird es nicht die "Kronen Zeitung" gewesen sein, die das bewirkt hat, sondern Schüssels seltsamer Ehrgeiz, gegen die Mehrheit der Österreicher zu regieren.

Wer immer das nun ist, der Schüssel abwählt, es ist auch schon egal, weil doch die "Kronen Zeitung" und die Mehrheit der Österreicher, inkarniert in Hans Dichand, ohnehin ein und dasselbe sind. Und sollte sich in einer Woche herausstellen, dass die Mehrheit der Österreicher doch nicht so beklopft ist, wie Nenning sie gern zugerichtet sähe, wäre das nur ein neuerlicher Beweis dafür, wie notwendig Catos Akt der Notwehr gegen schrankenlosen Materialismus und bedenkenloses Streben nach politischer Macht war.

Eine Verleumdungs-Kampagne besonderer Art, ja geradezu ein Dolchstoß in den Rücken des bis zum vorvorletzten Atemzug gegen besagten schrankenlosen Materialismus kämpfenden Cato kam von denen, denen die andere Hälfte der "Kronen Zeitung" gehört. Die Leute von der "WAZ" finden nämlich laut "Format", "es ist unseriös, den Leuten die Hoffnung zu machen, so ein Ausstieg könne rasch vonstatten gehen."

Wenn nicht nur die Konkurrenz, sondern sogar schon die Miteigentümer solch bedenkliche Aktionen gegen den greisen Kämpfer starten und angesichts dessen Unterstützung der blauen Haupt- und Staatsaktion gar die politische Unabhängigkeit des Kleinformats hinterfragen wollen, grenzt das an eine Verleumdungs-Kampagne, arg genug, auf entlarvende gerichtliche Nachspiele hoffen zu dürfen.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. Jänner 2002)

Von Günter Traxler
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