Euroblüten: Aus Spaß kann schnell Ernst werden

15. Jänner 2002, 12:43
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Auch Juxfälschungen von Geldscheinen können strafrechtlich relevant werden

Wien - Die neuen Euromünzen beschweren nicht nur den Geldbeutel, auch die Fälschung von Eurobargeld ist nicht leicht. Manch kreativer Zeitgenosse greift dennoch bereits jetzt zur Grafiksoftware und zum Farbkopierer, um neue Werte zu schaffen.

Dahinter mag tatsächlich Unzufriedenheit über zu schwere Münzen stecken - schließlich hat selbst ein österreichischer Nationalbankdirektor den Wunsch nach einer Zwei-Euro-Note aufgegriffen. Einige Fälscher erfinden jedenfalls einfach einen neuen Nominalwert - wie der Schöpfer eines 300-Euro-Geldscheines. Oft werden solche Kreationen nur im kleinen Kreis präsentiert und sollen allein der Unterhaltung dienen. Doch Vorsicht: Aus Spaß kann schnell Ernst werden. Denn auch Juxfälscher wie zum Beispiel die kongenialen "Eine Million Euro"-Banknotendrucker, stehen bereits mit einem Fuß im Kriminal.

Heikle Rechtslage

Diese heikle Rechtslage ergibt sich - wie eine aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertation des Wieners Leopold Reim darlegt - aus einer Vorschrift der Europäischen Zentralbank. Eine falsche Eurobanknote liegt nämlich schon dann vor, wenn diese auf "Euro" lautet oder wenn sie den Anschein einer echten Eurobanknote erweckt und betrügerisch gefälscht oder verfälscht wurde - so Artikel 2 der Verordnung (EG) 1338/ 2001 vom 28. Juni 2001.

Die näheren Voraussetzungen für die Strafbarkeit in Österreich ergeben sich nach § 232 Strafgesetzbuch allerdings erst, wenn weitere Tatbestandsmerkmale vorliegen. Diese Rechtsvorschrift legt eindeutig fest, dass mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen ist, wer Geld mit dem Vorsatz nachmacht (völlig neu herstellt) oder verfälscht (zum Beispiel aus einem 100er einen 1000er macht), dass es als echt und unverfälscht in Umlauf gebracht wird. Das Strafrecht kennt hier bereits "abgeschwächte" Vorsatzformen - wie zum Beispiel den bedingten Vorsatz, bei dem der Täter die Verwirklichung des Sachverhaltes nur für möglich hält und sich mit ihr abfindet. Demnach können sich strafrechtliche Konsequenzen auch aus scheinbar harmlosen Handlungen ergeben, die bewirken, dass die "Blüten" in Umlauf gelangen.

Kunstwerke

Abgrenzungsfragen ergeben sich auch zwischen "Kunst" und Geldfälschungen. Ein plakatives Beispiel dafür sind die Schöpfungen des kreativen "Banknotendesigners" J. S. G Boggs, der bereits seit mehr als fünfundzwanzig Jahren Geldscheine mit eigenwilligen Motiven herstellt. Wer planen sollte, solche Werke einzulösen, wird allerdings per Beiblatt darauf hingewiesen, dass es sich nicht um Zahlungsmittel handelt. (Gerd Siemer, DER STANDARD, Printausgabe 15.1.2002)

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