Kasperl will nicht für Privat-TV Traktor fahren

14. Jänner 2002, 19:03
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Lange Wunschlisten zum ersten Auftritt der neuen Generalin in ihrem Publikumsrat

Wien - Viele neue Interessenvertreter haben Montag viele Wünsche an die ebenso neue Generaldirektorin in der ersten Arbeitssitzung des Publikumsrates. Und weil das Gremium ohnehin keine Kompetenzen hat, will Monika Lindner vieles "prüfen" und dankt.

Für Anregungen nämlich vonm Umweltschwerpunkt (Tiergartendirektor und "Universum"-Honorarempfänger Helmut Pechlaner) über mehr österreichische Musik (Peter Paul Skrepek, Musikergilde, und andere) nebst weniger "Astroseelsorge" (Franz Küberl, Caritas) bis zum Jugendmagazin (unter anderem Schülervertreterin Eva Gollubits). Ein solches, das gar "wider den Stachel löckt" und "Scherereien macht", hat Lindner ohnehin schon mehrfach zugesagt. Bisher macht solche vor allem die Kärntner FPÖ der ORF-Information.

Bitte "Scherereien"

Fritz Muliar fordert dann noch "wieder" eine Sendung für Senioren. Es gibt mit "Schöner leben" übrigens jede Woche eine. Eine Reaktivierung des ORF-Theaters (auch Muliar) kann Lindner freilich etwas abgewinnen: "Es gehört zu unserem Selbstverständnis, auch Unterhaltungsmedium zu sein. Wir sind ja irgendwo auch der Kasperl."

Was die Generalin im Programm vorhat, bleibt noch ihr Geheimnis. Das "Nähkörbchen" (Küberl) lüfte sie erst bei der nächsten Sitzung im März. Dann sind auch knapp ein Monat das neue Direktorium und die Chefs der Landesstudios gewählt. Ihr bisheriges in Niederösterreich dürfte Norbert Gollinger, derzeit dort Chefredakteur, übernehmen.

Probleme bei der Programmierung bereitet ihr, dass sie den bisher mit ORF 2 und "Wien heute" bespielten TV-Kanal an einen regionalen Privatsender abgeben muss. Die regionalen ORF-Nachrichten bleiben - als Fenster - auf dieser Frequenz. Erhält man "Wien heute" "so gut wie bisher", bringt es den Sendungen des privaten Mitbewerbers davor und danach Quote. "Traktor für die Konkurrenz" nennt sie diese undankbare Rolle, sprachlich noch der niederösterreichischen Scholle verbunden. Die Alternative findet Lindner freilich auch nicht so mitreißend: hier "vorsätzlich schlechter werden". (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 15. Jänner 2002)

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