Kenneth Lay: Spendabler Freund des Hauses Bush

14. Jänner 2002, 19:13
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"Eines der traurigsten Dinge bei Freunden ist, dass sie älter zu werden scheinen - so wie du! 55 Jahre alt. Wow! Das ist wirklich alt." Dieses persönliche Geburtstagsschreiben des damaligen texanischen Gouverneurs George W. Bush im Jahr 1997 an den Vorsitzenden des Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay, straft die Aussagen des Weißen Hauses Lügen, es habe sich bei Lay (der von Bush als "Kenny Boy" tituliert wird) "nur" um einen Anhänger des Präsidenten gehandelt. Aber selbst wenn es sich bei Bush nur um übertriebene Höflichkeit für einen seiner großzügigsten Wahlspender gehandelt haben sollte, ist nicht zu leugnen, dass zwischen den beiden über Jahre enge Beziehungen bestanden, die bereits begonnen hatten, als Lay sich für George Bush senior einsetzte.

Denn bereits lange vor dem Sturz des Energieriesen Enron galt Kenneth Lay als einer der wichtigsten Spieler im internationalen Wirtschaftsbereich und wurde von vielen als Visionär oder gar als Guru bezeichnet: Ihm war es gelungen, nach der Deregulierung der Erdgasindustrie mit Enron einen der größten Energiekonzerne mit astronomischen Umsätzen zu kreieren.

Im Jahr 1999 betrugen Lays gesamte persönliche Einnahmen (Gehalt und Aktien) 42,4 Millionen Dollar (47,64 Mio. EURO/ 655,5 Mio. S). Darüber hinaus gelang es ihm, vor dem Zusammenbruch von Enron, zwischen Anfang 1999 und Mitte 2001, Aktien der Firma im Wert von mehr als 100 Mio. Dollar zu verkaufen. Wobei ihm und anderen Enron-Spitzenmanagern vorgeworfen wird, die Interessen von kleinen Aktieninhabern und den Firmenangestellten sträflich vernachlässigt zu haben.

Der heute 58-jährige Kenneth Lay stammt aus dem US-Bundesstaat Missouri und absolvierte die University of Missouri mit höchsten akademischen Auszeichnungen. Noch bevor er sein Ökonomie-Doktorat an der University of Houston erlangte, hatte er bereits eine Karriere beim Energiekonzern Exxon begonnen. Dazwischen diente er als Offizier in der US-Marine und unterrichtete kurzfristig an der George Washington University in der Bundeshauptstadt.

In Washington knüpfte er auch seine ersten Beziehungen zu Regierungskreisen und machte sich mit deren Bürokratie vertraut. Obwohl seine Sympathien zweifellos bei den Republikanern lagen, setzte er nicht alles auf eine Karte und unterstützte hie und da auch Demokraten. Mit Präsident Bill Clinton spielte er Golf. Der Löwenanteil seiner Wahlspenden ging jedoch an George W. Bush und die Republikaner: Lay und Enron unterstützten Bush in dessen politischer Laufbahn mit insgesamt 550 Millionen Dollar.

In seinem Gratulationsschreiben erwähnte Bush im Übrigen auch die "junge und schöne Frau" von Kenneth Lay: Linda, geborene Phillips, mit der Lay fünf Kinder hat.

(DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2002)
von Susi Schneider
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