Ein slowenisches Orchesterfest

14. Jänner 2002, 19:24
posten

Laibachs Spitzenorchester feierte in Wien sein 300-jähriges Bestehen

Wien - An der in dieser Saison fälligen Festesfreude über die 300-jährige Laibacher Orchestertradition wollte die Slowenische Philharmonie auch das Wiener Musikpublikum teilhaben lassen. Dieses hat, durchsetzt von zahlreicher, bei Konzertereignissen ansonsten selten sichtbarer politischer Prominenz, von dieser Gelegenheit auch reichlich Gebrauch gemacht und das unter dem Ehrenschutz des slowenischen Außenministers und seiner österreichischen Kollegin im Goldenen Saal gebotene Beethoven-Mahler-Lutoslawski-Programm sichtlich genossen.

Immerhin zählte und zählt die Slowenische Philharmonie zu Südeuropas Spitzenorchestern. Auch bei ihrem Wiener Auftritt am Sonntagabend spielte dieses Ensemble unter der Leitung seines jungen Chefdirigenten Marko Lentonja, der aus Otmar Suitners Klasse an der Wiener Musikuniversität hervorging, seine bekannten und geschätzten Vorzüge voll aus. Sie liegen vor allem in der hohen Spielkultur, in rhythmischer Präzision und in der sinnlichen Freude am satten, vollen Gesamtklang.

Wie bei vielen Orchestern in den Regionen mit ähnlicher politischer Vergangenheit haben alle diese Qualitäten allerdings doch etwas leicht Museales. Abgeschnitten von der internationalen Orchesterszene, vor allem von jener des Westens, wurden sie zu stehenden Kulturgewässern, in denen sich die traditionellen Vorzüge zwar erhielten, ja sogar steigerten, von den internationalen Entwicklungen jedoch unberührt blieben.

Am stärksten spürbar wurde diese aufführungstechnische Isolation in der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert in Es-Dur, während der man sich neben der soliden Seriosität von Solistin (Dubravka Tomsic) und Orchester doch mehr strukturierende Details gewünscht hätte. Am stärksten beeindruckten Gustav Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen, vor allem durch Bernarda Finks hierzulande schon geschätzten Mezzo, den sie wortdeutlich und gefühlstief einzusetzen wusste.

Während der donnernde Abschluss, zu dem die Gäste Witold Lutoslawskis Konzert für Orchester präsentierten, insgesamt doch etwas gar zu prall und vordergründig musikantisch geriet.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 1. 2002)

Von
Peter Vujica

Share if you care.