Gefährliche Kalkulationen

14. Jänner 2002, 19:32
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Thomas Birkmeir inszeniert "Törless" im Theater im Zentrum

Für das Theater der Jugend hat Regisseur Thomas Birkmeir die Erzählung "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil in Dialogsegmente zerteilt und mit den Rolling Stones verkittet. Gute Idee, denn Popmusik ist Selbststudie, und der Internatsschüler Törleß ein suchender, einer, der sich im Stillen ausprobiert. Dass aber für diesen "Törless" "As Tears go by" lediglich auf zwischen den Szenen tönende Füllmengen rationiert wird, ist schade und eine vertane Chance.

Als designierter Leiter versucht Birkmeir, das Haus zu einem Unternehmen mit ernsthaft künstlerischem Anspruch zu machen. Noch aber waltet die Konvention.

Enttäuscht ist man vor allem vom ersten Teil der insgesamt eineinhalb Stunden, in welchen unter weißem Dachstuhlgebälk junge Männer im Konfirmandenanzug Aufstellungen vornehmen und lose Sätze in Absolvententonlagen sprechen. Max Mayer gerät als ruhiger "Törless" ins Hintertreffen, da die Inszenierung vom Innenleben der Figur nichts zu offenbaren vermag. Sie gelingt dort besser, wo die Unterwerfung des Mitschülers Basini (ein sich aufopfernder Lukas Sartori) Aktionen zeitigt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 1. 2002)

Von
Margarethe Affenzeller

Theater im Zentrum,
Wien 1.,
Liliengasse 3,
521 10-0.

Bis 21. 3.
19.30
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