Über 16.000 Luftangriffe gegen tschetschenische Separatisten

15. Jänner 2002, 14:47
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UNHCR will Rückführung von Flüchtlingen nach Tschetschenien verhindern

Nasran/Genf - Die russische Luftwaffe hat seit 1999 mehr als 16.000 Einsätze gegen die Separatisten in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien geflogen. Die Zahl der Luftangriffe sei in den vergangenen Wochen sogar noch gestiegen, zitierte die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag Luftwaffenkommandant General Anatoli Kornukow. Grund dafür seien "Sondermaßnahmen zur Neutralisierung der verbliebenen Rebellengruppen", sagte er. Die Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtete, Ziel der Luftangriffe vom Dienstag seien vermutete Rebellenlager in der Argun-Schlucht gewesen.

Die UNO-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) will verhindern, dass nach Inguschetien geflohene Tschetschenen zur Rückkehr gezwungen werden. UNHCR-Chef Ruud Lubbers hat deshalb am Dienstag eine dreitägige Mission in den Nordkaukasus begonnen.

Dritter Winter im Exil

Der Hochkommissar für Flüchtlinge will mit verschiedenen russischen Vertretern das Schicksal der 150.000 Tschetschenen erörtern, welche in das benachbarte Inguschetien geflohen waren. Einige von ihnen verbringen den dritten Winter im Exil, betonte UNHCR-Sprecher Kris Janowski in Genf.

Den Angaben zufolge leben 15 Prozent der Flüchtlinge in Zelten, 21 Prozent in selbst gebauten oder instandgestellten Gebäuden. Die übrigen 64 Prozent wohnen bei Familien oder in einer Mietwohnung.

Kein Zugang für die UNO

Innerhalb Tschetscheniens halten sich nach Schätzungen des UNHCR 160.000 Vertriebene auf. Aus Sicherheitsgründen hatten Mitarbeiter der UNO-Organisation bisher keinen Zugang in der von Russland abtrünnigen Republik.

Lubbers will erreichen, dass Inguschetien keine tschetschenischen Flüchtlinge zur Rückkehr zwingt, da in Tschetschenien die Kämpfe zwischen Rebellen und russischen Einheiten weitergehen und es sehr schwierig ist, Hilfe zu leisten. (APA/AP/sda)

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