UNO fordert 100 Millionen Dollar Nothilfe für Afghanistan

14. Jänner 2002, 21:42
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Kabul will Zugang zu eingefrorenen Taliban-Geldern - Vor Sanktionsaufhebung

Kabul/New York - Mit einem Notappell an die internationale Gemeinschaft hat die UNO zur Unterstützung Afghanistans aufgerufen. Die Übergangsregierung brauche in den kommenden Tagen hundert Millionen Dollar (rund 112 Millionen Euro/knapp 1,5 Mrd. Schilling), sonst drohe dem Land der Bankrott, sagte UNO-Sprecher Ahmad Fauzi am Montag in Kabul. Mit dem Geld müssten mehr als 230.000 Regierungsangestellte und Polizisten bezahlt werden, die seit sechs Monaten keine Gehälter mehr bekommen hätten.

Die Übergangsregierung verfüge zur Zeit nur noch über zehn Millionen Dollar, sagte Fawzi weiter. Die für den kommenden Montag angesetzte Geberkonferenz in Tokio könne nicht abgewartet werden. "Sonst gibt es das Land nicht mehr, wenn das Geld da ist", warnte Fauzi. Ein Expertenteam hatte die Kosten für den Wiederaufbau in den kommenden zehn Jahren auf mindestens 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Eingefrorene Gelder

Die Übergangsregierung in Kabul forderte zur Behebung der akuten Notlage die Freigabe eingefrorener Taliban-Gelder. Die afghanischen Ministerien für Planung, Auswärtige Angelegenheiten und Finanzen seien autorisiert worden, mit den zuständigen internationalen Banken und Organisationen Kontakt aufzunehmen, berichtete das afghanische Fernsehen unter Berufung auf Regierungsvertreter. Sobald die ersten Gelder eingingen, solle den Staatsangestellten dann ein erstes Monatsgehalt gezahlt werden.

Nach der Zerschlagung des Taliban-Regimes werden die Vereinten Nationen ihre Sanktionen gegen Afghanistan weitgehend aufheben. Mit einem entsprechenden Beschluss des Weltsicherheitsrates, der am Montag Beratungen dazu aufnahm, rechneten UNO-Diplomaten an diesem Dienstag.

Negative Auswirkungen verhindern

Nach Angaben des amtieren Ratspräsidenten Jagdish Koonjul (Mauritius) will das höchste UNO-Entscheidungsgremium vor allem alle weitere negative Auswirkungen der Sanktionen auf die Lage der Bevölkerung verhindern. Allerdings sollten einzelne Maßnahmen wie die Einfrierung von Auslandskonten, die sich gegen in oder außerhalb Afghanistans noch bestehende Taliban-Strukturen richten, beibehalten werden. Davon solle die neue afghanische Zentralbank aber ausgenommen werden.

Der Sicherheitsrat hatte die UN-Sanktionen gegen Afghanistan 1999 verhängt und später weiter verschärft, um die Taliban zur Auslieferung des Terroristenführers Osama bin Laden zu zwingen. Humanitäre Hilfeleistungen waren von den Zwangsmaßnahmen ausgenommen. Dennoch litt nach Einschätzung von Hilfsorganisationen vor allem die Bevölkerung darunter. (APA/dpa)

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