YLine-Pleitier Böhm versucht Neustart

14. Jänner 2002, 17:03
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Seit Mittwoch leitet er neue Firma - Aus YLine-Niedergang drohen indes rechtliche Konsequenzen

Wien - Der ehemalige Chef des Pleite gegangenen Wiener Softwarehauses YLine, Werner Böhm, gibt nicht auf. Er und sein ehemaliger Pressesprecher Willi Berner tauchen nun seit kurzem als Geschäftsführer einer "Financial Projekt Enforcement and Consulting GmbH" auf. Die Firma wurde vergangenen Mittwoch gegründet und sitzt am Wiener Opernring 1 - seit kurzem auch die neue Adresse der Powerteam Consulting GmbH, die Böhm bereits 1996 gegründet hat und nach wie vor als Gesellschafter und Geschäftsführer leitet.

Aus dem YLine-Niedergang drohen Böhm unterdessen rechtliche Konsequenzen. Anlegervertreter Wilhelm Rasinger prüft derzeit mit dem Wiener Rechtsanwalt Steiner eine Klage gegen den Ex-YLine-Chef, aber in zweiter Linie auch gegen den Aufsichtsrat und den Wirtschaftsprüfer. Grundlage der Klage könnten Fehler im Kapitalmarktprospekt oder die Verletzung der Informationspflicht sein, so Rasinger am Montag.

Böhm nicht erreichbar

Der ehemalige YLine-Chef war am Montag für die APA für eine Stellungnahme nicht erreichbar, zumal Böhms neues Unternehmen wie auch sein altes nach der Übersiedlung keine Telefonnummer haben. Gesellschafter der Financial Projekt Enforcement and Consulting ist allerdings nicht Böhm, sondern sein Steuerberater Erwin Ungerböck, der laut Firmen-Compass bisher 17.500 Euro des 35.000 Euro (481.611 S) schweren Firmenkapitals einbezahlt hat. Ungerböck ist derzeit auf Urlaub.

FPÖ Hauptschuldner

"Hauptschuldner" der insolventen YLine ist laut Kreditschutzverband (KSV), der sich auf den Masseverwalter bezieht, die FPÖ. Das insolvente Softwarehaus fordere demnach rund 20 Mill. S (1,45 Mill. Euro) von den Freiheitlichen, sagte KSV-Insolvenzexperte Michael Schütz am Montag. Die FPÖ bestreitet dies und sieht sich umgekehrt als Gläubiger von YLine. Auch gegenüber der mittlerweile ebenfalls insolventen Tochter i-online hat YLine Forderungen von mehreren 100 Mill. S angemeldet. Von den i-online-Masseverwalter Richard Proksch und Edmund Roehlich würden diese Forderungen aber bestritten, sagte i-online-Aufsichtsrat Friedrich Scheck. Eine Generalbereinigung soll es mit der Bluebull AG gegeben haben. Übrig geblieben ist laut Bluebull-Vorstand Bettina Schragl lediglich eine Forderung von 62.234,80 S (4.522,8 Euro).

"Reine Geldvernichtungsmaschine"

Was mit den 665 Mill. S, die aus dem Börsegang von YLine im Jahre 1999 lukriert worden waren, passiert ist, ist unterdessen weiter unklar. Seit Eröffnung des Konkursverfahrens Ende September 2001 prüfen nicht nur Masseverwalter Stapf, sondern auch der von Stapf beauftragte Wirtschaftsprüfer Thomas Keppert und eine Reihe von Sachverständigen die Sachlage. Die beauftragten Gutachten sollen im ersten Halbjahr 2002 abgeschlossen sein. Die Geldflussanalyse werde dabei besonders spannend sein, sagte ein Sprecher des Masseverwalter. Böhm hat laut KSV bisher keine Angaben dazu gemacht, wo das Geld hinverschwunden ist. Für KSV-Insolvenzexperten Schütz steht fest, dass es sich bei YLine um eine "reine Geldvernichtungsmaschine" gehandelt hat. Außer dass das Unternehmen eine Reihe von Beteiligungen an anderen Gesellschaften gehalten habe, sei bisher noch kein Geschäftszweck klar geworden, so Schütz.

Schlechte Chancen für Gläubiger

Für die immerhin rund 220 Gläubiger der insolventen YLine schaut es düster aus. Angemeldet wurden laut Angaben des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) bis zur bisher letzten Gläubigersitzung am 21. Dezember Forderungen von insgesamt 749 Mill. S, anerkannt wurden bisher "ein paar Millionen". Tatsächlich werden nach derzeitigem Stand 308 Mill. S zu berücksichtigen sein, sagte Michael Schütz von der Insolvenzabteilung des KSV. Zu Verwerten gibt es bei YLine allerdings nur noch einen Server, betont Schütz. Alle verbunden Unternehmen seien mehr konkursreif als lebensfähig gewesen. Wie viel die Gläubiger zurückbekommen würden, werde daher im Wesentlichen davon abhängen, wie weit offene Förderungen eingebracht werden könnten. Mehr als eine einstellige Prozentquote werde es aber wohl nicht geben, so Schütz.(APA)

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