Wunschliste des Publikumsrats an neue ORF-Chefin

14. Jänner 2002, 13:32
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Erste reguläre Sitzung nach ORF-Reform

Zu seiner ersten Arbeitssitzung nach der ORF-Reform ist am Montag der ORF-Publikumsrat zusammengetreten. Für ungewohnt großes Medieninteresse sorgte der Umstand, dass die neue ORF-Generaldirektorin Monika Lindner bei dieser Gelegenheit erstmals öffentlich bei einer Gremialsitzung auftrat. Sie betonte in ihrem Bericht den Informations- und Bildungsauftrag des ORF und bekräftigte, dass man der künftigen Privat-TV-Konkurrenz gelassen entgegenblicke.

ORF im Wettbewerb mit "Konkurrenzhaushalten"

Bereits jetzt stehe der ORF auf Grund der steigenden Anzahl der so genannten "Konkurrenzhaushalte" - jener Haushalte also, die via Kabel oder Satellit die deutschen TV-Sender empfangen - "voll im Wettbewerb", so Lindner. "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", formulierte sie daher "bewusst salopp" die Haltung des ORF zur absehbaren Privat-Konkurrenz in Österreich. Sie zog einen Vergleich mit dem Schweizer Fernsehmarkt, wo sich gezeigt habe, dass sich die starke öffentlich-rechtliche SRG behaupten könne. In diesem Sinne brauche sich auch der ORF nicht fürchten.

Die privaten Ballungsraum-Sender - ausgeschrieben wurden Lizenzen in Wien, Salzburg und Linz - würden den ORF aber "noch sehr beschäftigen", betonte Lindner, nicht zuletzt, da die Privaten in diesen Regionen auf den Frequenzen der ORF-"Bundesland heute"-Sendungen on air gehen werden. Beim Kanal Wien sei man "in einer ganz unangenehmen Klemme": Der Mitbewerber profitiere von den erfolgreichen ORF-Bundesland-Sendungen. "Wir sind gleichzeitig der Traktor für unseren Konkurrenten", umriss Lindner das Dilemma.

Georg Weißmann, Vorsitzender des Publikumsrats, betonte in seinem Bericht, dass die Diskussion über Qualität im ORF künftig entscheidend sei. "Ich bin fest überzeugt, dass das Image eines Ramschanbieters auf die Dauer geschäftsschädigend sein muss und sein wird", meinte er. "Damit würde man das Gebührenprivileg in Frage stellen." Weißmann stellte "drei Forderungen" in den Raum: "Akzeptanz, Kostengerechtigkeit und Professionalität".

Heimische Musik - das "Dauerbrenner-Thema"

Ein Anliegen war einigen Publikumsräten auch das "Dauerbrenner-Thema" österreichische Musik im ORF: Heimisches Musikschaffen sei zu selten zu hören, hieß es. ORF-Chefin Lindner wies in ihrem Bericht aber auf die Online-Plattform "FM4-Soundpark" hin, die als "Humus" für junges österreichisches Musikschaffen dienen könne. Ein weiterer Wunsch aus dem Publikumsrat galt der älteren Generation: Publikumsliebling und Seniorenvertreter Fritz Muliar sprach eine Sendung für "die 'alten' Leute am Samstagnachmittag" an. "Das geht ihnen ab." Darüber hinaus wünschte sich Muliar eine "Reaktivierung" des ORF-Theaters - womit er bei Lindner "offene Türen" einrannte, wie sie betonte: "Das gehört zu unserem Selbstverständnis. Wir sind ja auch ein Unterhaltungsmedium."

Das "Nähkästchen" von Monika Lindner

Publikumsrat Franz Küberl wollte wissen, wann die neue Generalin ihr "'Nähkörbchen' lüftet, welche Akzente sie setzen werde". Dazu Lindner: "Mein Nähkästchen würde ich gerne bei der nächsten großen Sitzung des Publikumsrats öffnen." Zuerst gelte es, die neue Geschäftsführung zu bestellen. Dies soll am 8. Februar im Stiftungsrat geschehen. Bei der Präsentation des Programms der nächsten Monate kündigte Lindner ab Februar einen Schwerpunkt zu den EU-Beitrittskandidaten an: Dies sei ein "wichtiger Beitrag des ORF", denn "Angst ist dort, wo es zu wenig Information gibt". Insgesamt sei es eine "ganz wichtige Aufgabe" des ORF, dass die Zuschauer "sich informieren, ein bisschen gescheiter werden und etwas dazuzulernen". (APA)

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