Beitritt Tschechiens gut für Österreich

14. Jänner 2002, 12:12
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Volkswirtschaftsprofessor Schneider: Budgetentlastungen überkompensieren entstehende Kosten

Linz - Mittel- bis langfristig werde die EU-Osterweiterung und damit auch der Beitritt Tschechiens ein Wirtschaftswachstum für Österreich und damit Budgetentlastungen bringen, die die Kosten der Erweiterung mit großer Wahrscheinlichkeit überkompensieren. Zu diesem Schluss kommt Universitätsprofessor Friedrich Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Linzer Johannes Kepler Universität in einer am Montag veröffentlichten Studie im Auftrag der Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Das zur Unterschrift aufliegende Volksbegehren könnte in letzter Konsequenz dazu führen, dass ein EU-Beitritt Tschechiens auf längere Sicht nicht möglich wäre, befürchtet die Industriellenvereinigung. Um fundierte Unterlagen über die daraus resultierenden Konsequenzen zu bekommen, sei Universitätsprofessor Schneider mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt worden.

Österreichischer BIP profitiert

Der Volkswirtschaftsexperte stellt in der Studie fest, nach einem Berechnungsmodell sollte bei einem Beitritt der fünf Staaten Estland, Polen, Slowenien, Tschechien und Ungarn das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,354 Prozent steigen, ohne den Beitritt Tschechiens nur um zirka ein Prozent. Ein anderes, konservativeres Berechnungsmodell ergebe einen Anstieg des BIP durch den Beitritt der fünf Länder um 0,8 Prozent.

Diese Daten speiste Schneider in ein Simulationsmodell zur Berechnung der Beschäftigungs- und Einkommenseffekte ein. Dazu wurden außerdem Durchschnittswerte aus den Jahren 1995 bis 1999 und nicht aus der Zukunft verwendet, um Prognosefehler zu vermeiden.

Wenn nun Tschechien nicht der EU beitrete, würde das österreichische BIP je nach Rechenmodell zwischen 349 und 577,4 Mill. Euro weniger betragen. Das würde pro Jahr um 4.354 bis 7.223 weniger Beschäftigte bedeuten und auch das Volkseinkommen wäre um 221,5 Mill. bis 367,44 Mill. Euro geringer. Das oberösterreichische BIP würde zwischen 92,92 Mill. und 56 Mill. Euro weniger betragen. Somit wären zwischen 701 und 1.162 Personen weniger beschäftigt, und das Volkseinkommen wäre um 35,65 Mill. bis 59,13 Mill. Euro geringer.

Zahlen wahrscheinlich noch höher

Bei den Ergebnissen handle es sich um Mindestwerte, vermutlich liegen die realen Zahlen noch höher. Für Tschechien sei der Faktor zwei anzunehmen. Bei einem Nichtbeitritt Tschechiens könnte es auch zu einer Verzögerung beim Beitritt anderer Länder kommen. Dann wären die wirtschaftlichen Auswirkungen noch größer.

Der Universitätsprofessor macht darauf aufmerksam, dass die EU-Osterweiterung sowohl zu ökonomischen Vorteilen als auch Kosten führen werde. Die Expertenmeinungen zusammenfassend ist er überzeugt, "dass mittel- bis langfristig das erweiterungsbedingte Wirtschaftswachstum Budgetentlastungen bringen wird, welche die Kosten auf Grund der strukturellen Auswirkungen mit großer Wahrscheinlichkeit überkompensieren werden".

Wesentlich sei auch, dass die EU-Erweiterung für die EU um so erfolgreicher sein werde, je besser sie die Wirtschaftsentwicklung der Beitrittsländer fördere. Ein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung diene zur langfristigen Stabilität des demokratisch-marktwirtschaftlichen Systems in diesen Ländern, was folglich Chancen für die weitere Vertiefung der Handelsbeziehungen und die Profitabilität des in diesen Ländern investierten Kapitals bedeute. Dies führe zu einem grundsätzlichen Interessensgleichklang zwischen den derzeitigen Beitrittskandidaten und den EU-Mitgliedstaaten. Vor allem für Österreich als Land, welches mit einem Teil der Beitrittskandidaten gemeinsame Grenzen, gemeinsame historische Wurzeln und intensive Wirtschaftsbeziehungen habe, treffe dies in noch stärkerem Ausmaß als für die EU insgesamt zu, stellt Schneider in seiner Studie fest.(APA)

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