Reisepass-Konflikt belastet Verhältnis Taiwan/China

14. Jänner 2002, 11:47
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Peking wertet "Taiwan"-Eintrag als Schritt Richtung Unabhängigkeit

Peking - Die Volksrepublik China hat die Entscheidung des taiwanesischen Staatspräsidenten Chen Shui-bian, in die Pässe des Inselstaates neben "Republik China" zusätzlich "Taiwan" einzutragen, als "Schritt in Richtung Unabhängigkeit Taiwans" kritisiert. Die Begründung der Behörden in Taipeh, dass der taiwanesische Pass damit im Ausland besser erkannt werden könne, wies ein Sprecher des Taiwan-Büros beim chinesischen Staatsrat nach Angaben der englischsprachigen Tageszeitung "China Daily" vom Montag als "Ausrede" zurück.

Der Hauptzweck liege darin, "das Konzept der taiwanesischen Unabhängigkeit zu verwirklichen", wurde der Pekinger Sprecher zitiert. Die Reisepässe Taiwans werden aber weiter auf die alte und offizielle Bezeichnung "Republik China" lauten. Außenminister Tien Hung-mao kündigte an, mit der neuen Praxis werde im Herbst begonnen.

Die nach ihrer Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten im Jahr 1949 auf die Insel geflüchtete nationalchinesische Regierung hatte bis 1971 den chinesischen UNO-Sitz sowie einen der fünf Ständigen Sitze im Weltsicherheitsrat inne. 1971 wurde die Regierung in Peking von der UNO als alleinige rechtmäßige Regierung Chinas anerkannt; damit wurde ihr der chinesische UNO-Sitz zugesprochen.

Taiwan ("Republik China") hat sich mit dem Begehren nach einem zweiten chinesischen UNO-Sitz darauf berufen, dass bei Gründung der UNO im Jahr 1945 auch zwei Teilstaaten der damaligen Sowjetunion (Weißrussland und Ukraine) Vollmitglieder geworden waren. Peking hat dagegen klar gestellt, dass Taiwan als "untrennbarer Teil Chinas" nicht UNO-Mitglied werden könne. Taiwan wird von 30 Staaten anerkannt. Die Volksrepublik hat zu allen Ländern, die Taiwan anerkannt haben, automatisch die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.(APA/dpa)

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