Abhängig von Chat und Moorhuhn-Jagd

14. Jänner 2002, 10:37
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Zwei Beispiele von ÖsterreicherInnen, die medizinische Hilfe gegen ihre Internet-Abhängigkeit benötigten

Sie mussten medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie vom Internet nicht mehr los kamen und davon abhängig wurden. - Zwei Beispiele aus der Praxis, wie sie der Wiener Experte Dr. Hubert Poppe am Wochenende bei einem Sucht-Symposium in Wien vorstellte:

Beim ersten Fall handelte es sich um eine 52 Jahre alte Sekretärin mit zwei erwachsenen Kindern, die allein lebte. Zugang zum Internet hatte sie in Beruf und auch privat. Doch die aktive Sportlerin glitt in die virtuelle Realität eines Chatrooms ab.

Multiple Persönlichkeiten

Ein besonders frappantes Merkmal der Erkrankung der Frau: Sie gab sich als zwei verschiedene Persönlichkeiten aus. - Als 22-jährige in einer "schüchternen" und in einer "selbstbewussten" Ausgabe. Interessanterweise war die "Schüchterne" beliebter bei den übrigen Chatroom-Gästen als die "Selbstbewusste". Das war der Sekretärin zuwider, weil sie sich offenbar mehr mit ihrer extrovertierten Kunstperson identifizierte. Schließlich verfiel die Frau sogar in Eifersucht auf ihr schüchternes "Alter Ego".

Das Resultat: 40 Stunden und mehr verbrachte die Frau mit Chatroom-Kontakten. Sie bekam Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, weil sie einfach nicht mehr schlief. Die Behandlung: Psychotherapie und Antidepressiva (selektive Serotonin-Reuptake-Hemmer).

Schießwütig

Der zweite Fall: Ein 38-jähriger Akademiker, der täglich ausschließlich am Arbeitsplatz am PC hing. Bei dem Tennisspieler und Läufer schlug das "Moorhuhn-Jagd"-Fieber zu. Er konnte nicht mehr genug des Spiels bekommen. Da verkümmerten bald die übrigen Interessen, vor allem aber kam der Betroffene nicht mehr dazu, seine Arbeit zu erledigen.

Auch hier half schließlich eine Psychotherapie. Gleichzeitig wurde am Arbeitsplatz geregelt, dass der Internet-Abhängige nur noch eingeschränkt einloggen konnte. (APA)

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