Koubek verabschiedet sich aus Melbourne

23. Jänner 2002, 12:14
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Der Kärnter verliert im Viertelfinale in drei Sätzen gegen den Tschechen Jiri Novak

Melbourne - Der Kärntner Stefan Koubek ist am Dienstag im Viertelfinale der Australian Open ausgeschieden. Der ungesetzte 25-Jährige unterlag beim ersten Tennis-Grand-Slam-Turnier des Jahres dem als Nummer 26 eingestuften Tschechen Jiri Novak in nur 1:25 Stunden 2:6,3:6,2.6. Für Koubek war es trotz des Ausscheidens der größte Major-Erfolg seiner Karriere, vor ihm hatten im österreichischen Herren-Tennis nur Thomas Muster (9 Mal) und Peter Feigl (1) Grand-Slam-Viertelfinali erreicht.

Alles schien möglich

Koubek durfte mit Zuversicht auf den Platz gehen, nicht nur was diese Partie betraf. Denn nach der lösbar scheinenden Aufgabe gegen Novak wartete bereits mit Thomas Johannson ein weiterer "schlagbarer" Gegner. Die Nummer 16 des Turniers hatte zuvor seinen schwedischen Landsmann Jonas Björkman 6:0,2:6,6:3,6:4 besiegt. Sogar das Endspiel schien für Koubek also machbar, allerdings auch für Novak.

Und der 26-Jährige Tscheche ließ von Beginn an auch keinen Zweifel daran, dass er sich mit dem Debüt in einem Grand-Slam-Viertelfinale bei seinem 23. Anlauf nicht zufrieden geben will. Koubek machte bei eigenem Service zwar das erste Game, doch schon das zweite Aufschlagspiel des Österreichers ging an Novak. Der in Zlin geborene Rechtshänder ließ in Folge in Satz eins nur noch einen Spielgewinn Koubeks zu und imponierte dabei vor allem mit einer sicheren Vorhand sowie einem Fehler armen, konstanten und Schnörkel losen Spiel.

Vorsprung im zweiten Satz blieb ungenutzt

In dieser Gangart spielte Novak weiter, die soliden Schläge Koubeks kamen hingegen zu selten. So erkämpfte sich der Villacher in Durchgang zwei mit schönen Bällen das Break zum 2:0, doch offensichtliche Konzentrationsmängel ließen nicht nur das postwendende Rebreak folgen, Novak zog sogar mit fünf Game-Gewinnen in Folge auf 5:2 davon. Auch dieser Satz war für Koubek damit verloren, auch wenn ihm noch das zweite Break in diesem Durchgang gelang. Schon seinen nächsten Aufschlag gab er aber zu Null ab.

Das war symptomatisch für die Leistung des zweifachen Siegers von ATP-Turnieren. Hart erkämpften Breaks folgten leichtfertige Fehler, schnelle Rückstände konnte der ÖTV-Daviscupper oft nicht mehr wettmachen. Dennoch hofften die Fans Koubeks noch auf einen Umschwung, hatte doch der Österreicher in den ersten beiden Runden gegen den Franzosen Cyril Saulnier und den US-Amerikaner James Blake 0:2-Satzrückstände aufgeholt.

Mit dem ersten Matchball war es vorbei

Doch das Bild änderte sich diesmal nicht. Wieder folgte einem schnellen Break Koubeks der Umschwung, schließlich nützte Novak schon seinen ersten Matchball. Koubek beging insgesamt 37 unerzwungene Fehler, Novak nur 24. Auffallend auch der Unterschied beim ersten Service, das der Tscheche zu 71 Prozent durchbrachte, sein Gegner hingegen platzierte nur drei von fünf Aufschlägen im Feld.

Koubek zeigte sich zwar enttäuscht, aber gefasst: "Ich hatte heute irgendwie keine Energie. Eigentlich war ich darauf aus, mit hohen Bällen das Tempo aus Novaks Spiel zu nehmen und ihn laufen zu lassen. Aber dieser Plan ging nach hinten los, er spielte ungemein stark, schien nicht müde zu werden, während ich nach jedem längeren Ballwechsel ziemlich fertig war."

Angemessene Entschädigung

Eine Erklärung für diese plötzliche Schwäche hat der Kärntner nicht: "Vielleicht war es doch die Nervosität. Da verkrampft man sich, ohne es zu merken." Dennoch war Koubek mit seinem Abschneiden zufrieden: "Ich war immerhin erstmals bei einem Grand Slam im Viertelfinale." Finanziell zahlte sich der Durchmarsch auf jeden Fall aus, 125.000 australische Dollar (73.219 Euro/1,008 Mio. S) werden Koubek überwiesen. Im Champions Race werden dem ÖTV-Ass 90 Punkte gut geschrieben, der Vorstoß im Entry-System folgt am Montag.

Novak hatte sich mehr Gegenwehr erwartet, führte den leichten Sieg aber vor allem auf sein eigenes Spiel zurück: "Ich habe heute wirklich stark gespielt, meine beste Partie bisher hier." Im Semifinale kommt es nun zum Duell mit einem weiteren Neuling unter den letzten Vier eines Grand-Slam-Turniers. Johansson benötigte 2:35 Min. für den Sieg gegen Björkman.(APA)

  • ENDSTAND (Viertelfinale der Australian Open):

    Stefan Koubek (AUT) - Jiri Novak (CZE/26)
    2:6 3:6 2:6

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