Anais Nin: "Ich bin die größte Liebhaberin der Welt!"

3. Oktober 2002, 10:09
2 Postings

Im feministischen Kontext gilt die Schriftstellerin als umstritten - ein Porträt zum 25. Todestag

"Pfauenfedern", "Das Delta der Venus", "Haus des Inzests" und "Ein Spion im Haus der Liebe" sind nur einige Bücher der amerikanischen Schriftstellerin Anais Nin - und auch nicht die bekanntesten. Denn wirklich berühmt wurde sie erst durch ihre sieben Tagebuch-Publikationen ab 1966, die als ihr eigentliches Werk betrachtet werden. Hier breitet sie sich aus - offen - über Liebe, Leiden und Sexualität. Eine Art des thematischen Umgangs, in welcher Assoziationen zu Erotika und Pornografie sich auftun.

Lebens- (Leidens) -figur Vater

"Der erste Mensch, dem ich völlig ergeben war, mein Vater, verriet mich, und ich zerbrach. Uneingeschränktes Geben ist verhängnisvoll. Ich zerbrach, zerbrach, zerbrach, und es blieben eine Million unbedeutender Beziehungen übrig", schrieb Anais Nin in ihr Tagebuch.

Die Beziehung zu ihrem Vater sollte symptomatisch werden für die endlosen Männergeschichten. Er, ein spanischer Pianist, verließ die Familie, als Anais zehn Jahre alt war, sie blieb zurück mit ihrer Mutter, einer französischen Adeligen und zwei jüngeren Brüdern. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie beginnt, Tagebuch zu führen.

Mit dreizehn geht sie nach Amerika. Drei Jahre später steht sie Modell für KünstlerInnen. Mit neunzehn heiratet sie den amerikanischen Bankier Hugh Guiler, von dem sie verächtlich sagt: "Er riecht nach Geld". Weniger stört sie dagegen, dass er es ist, der ihr ein sorgloses Leben ermöglicht. 1947 folgt eine geheime Ehe mit dem siebzehn Jahre jüngeren Rupert Pole. Ihre Liebesbeziehungen zu Henry Miller und dessen Frau June sowie zum Psychoanalytiker Otto Rank sind Legende.

Beauvoir´sche Kritik

Besonders Miller, den sie finanziell unterstützt, gilt als Bewunderer und Förderer ihres literarischen Werks. Er verglich ihre Arbeit mit jener Rousseaus und Prousts. Weibliche zeitgenössische Kritik erfährt sie dagegen insbesondere von Simone de Beauvoir, die 1972 erklärt: "Ihre Meinung über die Weiblichkeit macht mich wütend". Es sei genau jene Art von Weiblichkeit, die ihr "die Haare zu Berge stehen" lasse.

"Jede Handlung, die etwas mit meinem Schreiben zu tun hatte, war zugleich ein Akt der Verführung ... meines Vaters ... Jede Handlung ... mit anderen Menschen war mit sexuellen Assoziationen belastet: ein Buhlen um die Welt." (Anais Nin 1957)

Anais Nin stirbt am 14. Jänner 1977 in Los Angeles. (dabu)

21.02.1903 - 14.01.1977

Ansichtssache

Share if you care.