Israel greift Hafen von Gaza an

13. Jänner 2002, 22:37
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Besorgnis über mutmaßliche neue Achse Iran - Palästinenser

Israel greift Hafen von Gaza an

Mit einem Angriff auf den Hafen von Gaza setzte Israel am Wochenende die angekündigte Serie der Vergeltungsschläge fort - der Zusammenhang mit dem abgefangenen Waffentransport war dabei nicht nur symbolisch. Angegriffen wurden ein Posten, ein Treibstofflager und ein Patrouillenboot der palästinensischen Küstenwache, die in die Schmuggelaffäre verwickelt ist. Froschmänner versenkten das Schiff "Chindallae", das früher von jenem Oberst Omar Akawi kommandiert worden war, der als Kapitän des Schmuggelfrachters "Karine A" aufgegriffen wurde. Gleichzeitig stießen israelische Truppen abermals auf den Flughafen bei Rafah vor, um dort die Startbahn noch gründlicher zu zerstören als am Tag davor.

Weil US-Außenminister Colin Powell die israelischen Schläge als "Defensivaktion" rechtfertigte, waren die Palästinenser zugleich empört und unter Druck. Es sei "unsere Pflicht, jeden zu verhören, dessen Name in dieser Angelegenheit genannt wurde", sagte Minister Nabil Amr, die Untersuchung sei "der solide Beweis dafür, dass wir keine offizielle Verbindung zu dem haben, was geschehen ist."

Tief besorgt sind die Israelis wegen der neuen strategischen Verbindung zwischen der Palästinensischen Behörde und Iran, die durch die Waffenaffäre aufgeflogen zu sein scheint. Der ehemalige iranische Präsident Hashemi Rafsandjani hat Israel erst kürzlich mit der nuklearen Vernichtung gedroht, was Shimon Peres wie "eine Aussage Hitlers" bewertet - für den israelischen Außenminister ist Iran "der Brennpunkt des Terrors und der Lüge".

"Schändliches Kapitel"

In Israel lief indessen eine Debatte darüber, ob die Zerstörung von Dutzenden Häusern im Flüchtlingslager Rafah am Donnerstag moralisch gerechtfertigt und militärisch notwendig war. "Ich bin nicht sicher, ob eine andere Reaktion nicht besser gewesen wäre", sagte etwa Peres reserviert, während die Tageszeitung Ha'aretz unverblümt von einem "schändlichen Kapitel in Israels Geschichte" schrieb. Die Armee blieb dabei, dass die Gebäude regelmäßig von Scharfschützen benützt worden seien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 1. 2002)

Von STANDARD-Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv
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