Fremdwährungskredite mit Netz

13. Jänner 2002, 18:53
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Die Nachfrage nach billigen Yen-Krediten ist ungebrochen - Banken raten zur Vorsicht

Wer immer den Österreichern Ausländerfeindlichkeit vorwirft, der irrt - zumindest, wenn es um Kredite geht. In keinem anderen Euroland sind billige Fremdwährungskredite derart beliebt wie hierzulande: Spitzenreiter sind Yen-Kredite mit einem österreichischen Anteil in der Eurozone von zuletzt satten 37 Prozent. Und das, obwohl die Banken nach den Turbulenzen um die japanische Währung mit ihren Empfehlungen sehr vorsichtig geworden sind. "Es ist schon eine Art Zockerei", meint Lydia Kranner, Leiterin der Zins- und Währungsabteilung der Raiffeisen Zentralbank. Das Risiko einer empfindlichen Verteuerung des Kredites sei vor allem für die viel zitierten, knapp kalkulierenden "Häuslbauer" hoch. So habe der niedrig verzinste japanische Yen zwar derzeit einen Tiefststand erreicht, für das zweite Quartal rechnet die Expertin jedoch wieder mit einem Anstieg.

Auch Erste-Bank-Produktmanager Manfred Katzenschlager gibt zu bedenken: "Ein Fremdwährungskredit kann eine günstige Finanzierungsform sein, die möglichen Kursschwankungen bergen aber ein enormes Risikopotenzial." Ungeachtet solch mahnender Stimmen hat die Summe aller Ausleihungen im Yen bis September 2001 laut Österreichischer Nationalbank im Jahresvergleich um fast ein Drittel auf einen Wert von knapp 19 Mrd. Euro (261,45 Mrd. EURO) zugenommen. Kein Wunder: Ein Euro-Kredit ist derzeit mehr als doppelt so teuer wie ein Kredit in der japanischen Währung.

Große Unterschiede

Selbst mit einem Kredit in Schweizer Franken, der im Vorjahr gegenüber dem Euro aufgewertet hat, fährt man immer noch um ein rundes Drittel besser als mit einem Euro-Kredit (siehe Grafik). Wer beim täglichen Blick auf den Devisenkurs kalte Füße bekommt, sollte mit der Bank rechtzeitig die Spesen über einen Wechsel in einen Euro-Kredit verhandeln, die üblicherweise mit rund 0,5 Prozent der Kredithöhe zu Buche schlagen. Bequemer ist es, seine Schulden professionell managen zu lassen. Weil Banken diese Art des Risikomanagements für Private gar nicht oder nur für höhere Kreditsummen ab rund einer Mio. EURO anbieten, hat sich vor wenigen Jahren die konzessionierte Wiener Vermögensberatung financial management service (fms) auf diesen wachsenden Markt spezialisiert. Geschäftsführerin Birgitta Svoboda: "Wir verwalten heute rund 145 Mio. EURO bei steigender Nachfrage." Das Prinzip sieht einfach aus, dahinter steckt jedoch ein komplexes System aus Technik und Know-how: Der Kunde übergibt gegen eine Einstiegsgebühr von 2,4 Prozent und eine monatliche Verwaltungsgebühr von 0,12 Prozent das Management seines Fremdwährungskredites mittels Vollmacht an fms.

Das Depot bleibt bei der Bank - Partner von fms sind etwa die Tiroler Sparkasse oder die Sparkasse Oberösterreich - und wird von fms direkt dort gemanagt: Durch einen raschen Wechsel zwischen den Währungen sollen Kurs- und Zinsvorteile genützt werden, sodass der Kunde nicht nur einem geringeren Risiko ausgesetzt ist, sondern im besten Fall aus dieser Art der Spekulation sogar einen Ertrag bekommt und seine Schulden reduzieren kann. Im Falle eines Gewinnes zweigt sich fms eine Art "Erfolgsprovision" von rund einem Fünftel ab. Klingt nicht billig, ist aber ideal für Kreditnehmer, die sich den täglichen Nervenkitzel sparen wollen. Aber: Auch Schuldenmanagement ist Vertrauenssache. Und: Das letzte Risiko trägt der Anleger.(STANDARD-Mitarbeiterin Gerlinde Maschler, Der Standard, Printausgabe, 14.01.2002)

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