Trenkwalder : "Skifahren ist Skifahren"

13. Jänner 2002, 18:57
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Der ÖSV-Abfahrtstrainer über Trinkl, Ski, Olympia

Wengen/Wien - "Ich hab' zum Hannes Trinkl gesagt, dass das unter den Leistungen, die er schon in seinem Leben abgeliefert hat, die Nummer eins war." Robert Trenkwalder, Abfahrtstrainer der ÖSV-Herren, ist erfreut. Der "Schnellsiedekurs", mit dem er seinen Abfahrtsweltmeister Hannes Trinkl nach rund 300 Tagen verletzungsbedingter Rennpause an die Geschwindigkeit von 100 und mehr Stundenkilometern gewöhnte und der Plan, den er ihm fürs Rennen in Wengen mitgab, klappten wie geschmiert. Nur Stephan Eberharter aus der RTL/SG-Gruppe hängte Trenkwalders Schützling ab, zu seinem bereits dritten "klassischen" Abfahrtssieg in dieser Saison nach Gröden und Val d'Isère. Eberharter, der "Wengen zu einer Herzensangelegenheit" erklärte, hat wohl einen fixen Startplatz bei den olympischen Winterspielen von Salt Lake City. Sein Vorsprung im Gesamtweltcup beträgt nach dem Slalom von Wengen immer noch 172 Punkte und ist auch kein Anlass für Unruhe.

Erleichterung

Trinkl reagierte überaus erleichtert auf seinen zweiten Platz, "um ehrlich zu sein, war der Druck schon sehr groß", sagte er, der ja auch zu den Spielen will. Sein Trainer Trenkwalder ist überzeugt davon, "dass sich die absolut besten vier Männer in den vor den Spielen noch ausstehenden drei schweren Abfahrten in Kitzbühel, Garmisch und St. Moritz herauskristallisieren werden". Die Schwierigkeit, aus der Fülle guter Abfahrer vier (mehr dürfen pro Nation und Bewerb nicht teilnehmen) herauszusuchen, ist zwar unangenehm, "aber mir ist lieber, sie sind auf dem Podest, als sie sind nicht oben", sagt Trenkwalder. Seit vier Jahren akkumuliert der ehemalige Privatbetreuer Günter Maders als ÖSV-Abfahrtscoach Wissen, ohne die gängige, fast übertrieben scheinende Computerliebe zu teilen. "Ich interessiere mich auch für alles, aber man muss einschätzen können, welche Entwicklungen was bringen, viele andere arbeiten in die falsche Richtung", sagt er.

Überlegenheit

Die Übermacht des ÖSV-Abfahrtsteams (dritter Dreifachtriumph) erklärt er mit Routine, Erfahrung, technischer Reife und: "Skifahren bleibt Skifahren, und wenn ich höre, dass in der Abfahrt das Material sich weniger verändert als anderswo, kommt mir ein Lachen aus. Wir fangen wenige Tage nach dem Ende der Saison an, fürs nächste Jahr zu testen. Oder wir setzen in den letzten Wochen beim Training Ski ein, die für das kommende Jahr bestimmt sind." Nachsatz: "Sollten andere auch tun." (josko)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 14.1. 2002)
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