Kornmandl mit Laubwerk - Modellhafte Posen - Schmalspurig

13. Jänner 2002, 20:54
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Eine Rundschau durch Grazer Galerien

Kornmandl mit Laubwerk

Wild eruptiv, dabei von überraschender Konstanz präsentiert sich das Werk Franz Grabmayrs in der Galerie Lendl. Seit den Sechzigerjahren werden von Grabmayr die Sujets klassischster Pleinairmalerei abgehandelt. Aus grobschlächtig durchs faustdick aufgetragene Pigment gezogenen Spachtelzügen setzen sich Felsformationen, Laubwerk und Kornmandeln zusammen. Bewegung ist das Thema des Künstlers (auch: Besitzer einer mobilen Werkstatt am Traktor). Lichtspiele ereignen sich in farblicher Leuchtkraft, die Materialität des Mediums wird als Zeugnis künstlerischen Kraftakts vor Augen geführt. Die klug gehängte Auswahl der Ölbilder ergänzen Aquarelle, in denen der Künstler Tänzer im temperamentvoll tachistischen Zugriff, selbst tanzend, einzuholen sucht.
Galerie Lendl, Graz, bis 16. 2.

Modellhafte Posen

Kontrapunktisch zu Grabmayr (siehe oben) verhalten sich die beiden in der Camera Austria gezeigten Fotoserien Ulrike Lienbachers. Was Grabmayr am Motiv mit allen Mitteln künstlerischer Expressivität in Bewegung zu halten sucht, gefriert in Lienbachers "Pin Up Übungen" zur bewusst gekünstelten, nachgestellten Pose.

Die Modelle, bar jeder Individualität (immer bleibt der Kopf vom Bildrand abgeschnitten) verharren starr, gezwängt in Haltungen, welche die Konstruiertheit ihrer Magazin-Vorbilder und die mit diesen transportierten, kulturell kodierten Geschlechterrollenbilder offen legen. Das dem Galerieraum nah verwandt erscheinende, gesäubert karge Ambiente der Exerzitien stellt das Ausstellen selbst als Manifestation machtimprägnierter Subjekt-Objekt-Relationen aus.
Camera Austria, Sparkassenplatz, Graz, bis 31. 1.

Schmalspurig

Die österreichische Urform malender Lichtbeschwörung darf man sich laut großflächiger Ankündigung in einer dem Barockmaler Martin Johann Schmidt gewidmeten Personale der Alten Galerie erwarten. Finden wird man kaum mehr als eine Schau der sowieso ständig ausgestellten Werke, notdürftig ergänzt bloß durch die sonst im Depot befindlichen grafischen Arbeiten des Künstlers. Wo sich Bildvergleiche aufdrängen, sind die der Alten Galerie fehlenden Stücke durch peinliche Archivfotos ersetzt. "Bei der Frage nach dem Stil Martin Johann Schmidts muss man zunächst einräumen, dass man ein Talent vorfindet, das vor allem in sich ruht." Präziser als der Kremser Schmidt ist damit freilich das ausstellende Institut beschrieben.
Alte Galerie, Neutorg., Graz, verlängert bis 3. 2.
(trag/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 1. 2002)

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