Tiefe Kluft zwischen Argentinien und IWF

13. Jänner 2002, 18:42
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Neue Regierung fühlt sich "beleidigt"

Buenos Aires - Die argentinische Regierung fühlt sich durch die Ratschläge des Internationalen Währungsfonds (IWF) beleidigt und hat mehr Zeit für Wirtschaftsreformen gefordert.

Die neue Regierung habe wenige Tage nach Amtsantritt von der stellvertretenden IWF-Chefin Anne Krueger einen "unverständlichen" Brief erhalten, sagte der Vizewirtschaftsminister Jorge Todesca am Wochenende in einem Radiointerview. Der Brief habe eine Reihe von Punkten angesprochen. "Es war unklar, ob sie Forderungen waren oder nicht. Ich betrachte ihn (den Brief) als Beleidigung für Argentinien", sagte Todesca.

Seine Äußerungen dürften die bereits gespannten Beziehungen zwischen Argentinien und dem IWF weiter belasten. "Sie (der IWF) sollten weniger reden, besonders wenn sie nichts Interessantes zu sagen haben", fügte Todesca hinzu und forderte mehr Zeit für die Stabilisierung der Wirtschaft.

"Schlüssige Reformen"

Der IWF hatte am Freitag schlüssige Wirtschaftsreformen in Argentinien als Voraussetzung für eine Unterstützung des Landes genannt. Das von der neuen Regierung eingeführte System eines festen und eines freien Wechselkurses für den argentinischen Peso sei mittelfristig nicht ausreichend für eine Erholung der Wirtschaft, hatte Krueger in Washington gesagt.

Die Landeswährung war erst am Freitag nach zehnjähriger Abwesenheit mit deutlichen Kursverlusten an den Devisenmarkt zurückgekehrt. Nach der Abkoppelung von der Eins-zu-eins-Parität zum Dollar rutschte der Peso im freien Handel um mehr als 40 Prozent auf Kurse von 1,60/ 1,70 Peso je Dollar. Argentinien steckt seit mehr als vier Jahren in einer Rezession und kämpft mit einem Schuldenberg von mehr als 140 Milliarden Dollar. (Reuters, Der Standard, Printausgabe, 14.01.2002)

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