Prinz Charles: "Das ist ein Balanceakt"

14. Jänner 2002, 17:48
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Der kleine Prinz Harry auf Abwegen - in Eton drohen jetzt Urintests

London - Der britische Prinz Harry (17) ist am Montag wieder in seine Eliteschule Eton gegangen - aber auch am Tag nach den Enthüllungen über seinen Alkohol- und Drogenkonsum schlugen diese in der Öffentlichkeit noch hohe Wellen. Königin Elizabeth II. (75), laut Presseberichten "wütend" über eine befürchtete Störung der Feiern zu ihrem 50. Thronjubiläum, meldete sich mit einer ihrer seltenen persönlichen Erklärungen zu Wort: "Sie teilt die ernste Beurteilung des Betragens von Prinz Harry durch den Prinzen von Wales und unterstützt dessen Maßnahmen", heißt es nach Angaben eines Palastsprechers. "Sie hofft, dass die Sache nun als abgeschlossen betrachtet werden kann."

In Eton muss Harry damit rechnen, von Schulleiter John Lewis gelegentlich zum Urintest gebeten zu werden, mit dem jeder der 1.200 Zöglinge jederzeit auf Haschischkonsum geprüft werden kann. Wie die Londoner "Times" berichtet, kommt Harry damit noch gut davon: Es füge sich gut, dass Lewis unmittelbar nach einem Gespräch mit Thronfolger Prinz Charles über die Rausch-Neigung Harrys beschloss, die bisher strikte Anti-Drogen-Politik Etons zu revidieren: Nun wird nur noch gefeuert, wer in der Schule mit Drogen erwischt wird - wer Drogen daheim oder anderswo konsumiert, wird erst im Wiederholungsfall heimgeschickt.

"Ein Bub wird beraten und gewarnt, und Urintests werden manchmal gemacht, um die Lage zu klären", heißt es in einer Erklärung von Lewis am Montag. "Die Schule hat sich mit der Sache befasst, kommentiert aber nicht das Verhalten einzelner Burschen."

Die Frage, ob für Harry - Nummer Drei der Thronfolgeliste hinter Bruder William (19) - möglicherweise ein anderes Recht als für dessen Mitschüler gilt, beschäftigte am Montag die Medien. Durften die Harry ständig begleitenden Leibwächter, immerhin Polizisten, einfach die Augen schließen, als der 16-Jährige im vergangenen Sommer im "Rattlebone Inn" (Gasthof zum Knochenrasseln) sich verbotenerweise öfter bis an die Grenze der Bewusstlosigkeit betrank? Hätten sie sehen müssen, dass er im Schuppen hinter der Kneipe Haschisch rauchte?

"Die Leibwächter sind für die Sicherheit zuständig, nicht für die moralische Erziehung", sagte ein Sprecher des Palasts von St. James, dem Wohnsitz von Prinz Charles: "Das ist ein Balanceakt." Mandy Evely, Polizeichefin der Grafschaft Wiltshire und zuständig für Recht und Ordnung im Gebiet von Highgrove, dem privaten Wohnsitz des Prinzen von Wales, wollte am Montag "nicht ausschließen", dass gegen Harry "ebenso wie gegen jeden anderen Jugendlichen" im Zusammenhang mit Drogenkonsum ermittelt werde. Allerdings sei der omnipräsenten Polizei selbst nicht das Geringste aufgefallen.

Auch im Familienkreis will zunächst niemand etwas bemerkt haben. Zwar wurde der junge Prinz mancherorts in schlechtem Zustand gesichtet, sich erbrechend oder sich bizarr verhaltend - doch erst als Dienstboten den süßlichen Geruch von Haschisch in Highgrove ausmachten und dies dem Hausherrn hinterbracht wurde, wurde Charles tätig.

Prinz Charles wurde ob seiner Reaktion auch am Montag von allen Zeitungskommentatoren gelobt. Er schickte Harry zu einem Besuch in eine Drogenklinik, um sich erzählen zu lassen, wie rasch man von Alkohol und Haschisch zu härteren Drogen abgleitet. Danach, so heißt es, habe der schockierte Harry kaum noch Alkohol angerührt - auch weil er seit kurzem einen Führerschein hat. Außerdem beschloss Charles, dass Harry künftig nicht mehr alleine zu Haus bleiben darf: Schließlich ereigneten sich die unliebsamen Dinge, als weder Charles noch William auf Highgrove waren. Künftig soll vor allem der ältere Bruder auf den jüngeren aufpassen. Und Charles, der selbst als 14- Jähriger in einer Kneipe einen Cherry-Brandy orderte und damit einst einen Skandal auslöste, ordnete allergrößte Offenheit im Umgang mit der Presse an.

In britischen Medien wird spekuliert, Harry könne auch ein Opfer der psychischen Probleme sein, die man als "Nummer Zwei" im Königshaus hat: Prinzessin Margaret flüchtete sich jahrelang in den Alkohol, Prinz Andrew macht vor allem als Partylöwe von sich reden. (APA)

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