Berlusconi wünscht parteiunabhängigen Fachmann als Außenminister

12. Jänner 2002, 15:08
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Computerunternehmer Elio Catania hat beste Chancen

Rom - Eine Woche nach dem Rücktritt des italienischen Außenministers Renato Ruggiero denkt Regierungschef Silvio Berlusconi an einen parteiunabhängigen Fachmann für das Außenamt. Italienischen Medienberichten vom Wochenende zufolge gewinnt die Kandidatur des Top Managers des amerikanischen Computerkolosses IBM, Elio Catania, kontinuierlich an Boden. Berlusconi will das Ministerium "modernen unternehmerischen Standards" anpassen. Sein idealer Außenminister müsse daher Managerfähigkeiten besitzen und die Effizienz des Ministeriums deutlich bessern. Catania besitzt laut italienischen Medien jene Eigenschaften, die ihn zum idealen Außenminister im Kabinett Berlusconi machen würden.

Weitere Kandidaten, die laut Spekulationen in römischen Polit-Kreisen für die Führung der "Farnesina", das römische Außenministerium, in Frage kommen, zählt der sprachgewandte Kulturminister und einer von Berlusconis Vertrauensleuten, Giuliano Urbani. Urbani war der liberalkonservativen Berlusconi-Partei Forza Italia kurz nach deren Gründung im Jahr 1993 beigetreten und gilt seither als einer der treuesten Mitarbeiter des Medientycoons.

Dem Vizepremier Gianfranco Fini, Chef der rechten Nationalallianz, werden dagegen immer weniger Chancen eingeräumt, den prestigereichen Sessel des Außenministers zu erobern. Obwohl Berlusconi beteuert hatte, dass Fini ein durchaus aussichtsreichster Anwärter für den Posten sei, befürchtet der Regierungschef internationale Probleme, sollte er den Postfaschisten Fini zu seinem Außenminister machen. Berlusconi könnte daher von einer Ernennung Finis absehen.

Inzwischen bereitet sich Berlusconi auf seinen Auftritt im römischen Parlament am Montag vor, bei dem er Aufklärung über die Hintergründe von Ruggieros Rücktritt geben muss. Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz hatte Berlusconi vorgeworfen, dass die antieuropäische Haltung der Mehrheit seiner Minister den Chef der Diplomatie zum Rücktritt gezwungen habe. Berlusconi hatte in den letzten Tagen wiederholt beteuert, dass niemand die europafreundliche Linie seines Kabinetts bestreiten könne. (APA)

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