Etwas lahmer Kunst-Grand-Prix

12. Jänner 2002, 00:55
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Die "2. Monte-Carlo International Fine Art & Antiques Fair"

Wie die Bezeichnung der ehrgeizigen monegassischen Kunst- und Antiquitätenmesse, Monte-Carlo International Fine Art & Antiques Fair (vom 5.-13.1.) bereits anzeigt, peilten die Initiatoren ein kleines, südliches Maastricht an. Die erste Messe voriges Jahr war effektiv viel versprechend, denn die Gemälde-Spitzenhändler Agnew's, Knight & Hall (GB) und Williams (USA) konnten als Qualitätsgaranten gewonnen werden.

Ihr heuriges Ausbleiben ist aber leider nicht der einzige harte Schlag für die zweite Monte Carlo Kunst- und Antiquitätenmesse. Einer der beiden Initiatoren der Messe, der monegassische Gemäldehändler Piero Corsini, verstarb vor kurzem. Corsini, dessen Galerien in New York, Lugano und Monaco weiter betrieben werden, überredete 2001 viele Händler zur Teilnahme.

Man zählt zwar heuer die gleiche Ausstellerzahl wie 2001, nämlich 34 Galerien (Antiquitäten- Gemälde- und Teppichhändler sowie Juweliere) aber mehrere Marktführer blieben aus. Sie wurden durch kleinere Galerien ergänzt, wobei die Italiener - nach den elf monegassischen Lokalmatadoren - das stärkste Kontingent stellen. Ein Drittel der Aussteller sind derzeit Galerien, die in Monte Carlo entweder Niederlassungen oder ihren Hauptsitz haben, wozu noch einige Galeristen oder bildende Künstler mit Eigengalerie aus der näheren Umgebung (bis Nizza) kommen. Wenn diese Tendenz sich weiter verstärkt, könnte die Messe eine Lokalveranstaltung werden. Die allerdings über eine bunt gemischte internationale Klientel, die sich regelmäßig an der Côte d'Azur aufhält bzw. aus dem nahen Italien anreist, als Käuferpotenzial verfügt.

Am Vernissageabend, wo sich Menschenmassen im Grimaldi Forum - dem neuen monegassischen Kongress- und Kulturzentrum - drängten, hörte man vorwiegend Italienisch. In den ersten Messetagen wurden ausreichende Verkäufe abgeschlossen, um einen gewissen Optimismus zu gewährleisten. Besonders die neu hinzugenommenen Galerien Marlborough (Monaco), mit lateinamerikanischen Plastiken und Gemälden und GAM (Monaco) mit Meistern des 19. und 20. Jahrhunderts, lenkten die Aufmerksamkeit auf sich. GAM bietet ein Claude-Monet-Gemälde von 1884 an, das Monaco zeigt (1,677 Mio. EURO). Auf dem Silber- und Ikonensektor wurden ebenfalls einige Objekte verkauft. Auch Christian Deydier (Oriental Bronzes, London und Paris) konnte sich von einigen chinesischen Keramikfiguren trennen. Aus seiner eigentlichen Spezialität, antike Bronzen bis zum 13. vorchristlichen Jahrhundert, brachte er u. a. ein Bronzebassin Pan (zum Händewaschen, 9. Jhdt. v. Chr.) aus der Zeit der Schan-Dynastie für 72.300 Euro mit.

Das vermutlich teuerste Objekt der Messe ist ein 126 x 173 cm großes Gemälde von Tintoretto, Agonia in giardino (ca. 1590) bei Piero Corsini, das erst 1991 als ein "bisher unveröffentliches Gemälde" beschrieben wurde. Corsini hat es seither in seinen Galerien und erwartet 500.000 Euro dafür. Ein besonders gut bestücktes Möbel- und Altmeistergemälde-Angebot zeigen die monegassischen Antiquitätenhändler Pastor-Gismondi und Adriano Ribolzi.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 1. 2002)

Von
Olga Grimm-Weissert

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