Somalia: Kritik an "US- Propagandakampagne"

11. Jänner 2002, 21:27
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Übergangspräsident: "Wir sind nicht die Taliban" - Angst vor US-Angriffen terrorisiert die Menschen

Khartum - Als "US-Propagandakampagne" wertet der somalische Übergangspräsident Abdiqassim Salad Hassan Behauptungen, denen zufolge sein Land ein möglicher Zufluchtsort für Anhänger des Moslem-Extremisten Osama bin Laden sein könnte. Die Angst vor Luftangriffen der USA behindere seine Versuche, in dem Land Frieden zu stiften, sagte Abdiqassim am Freitag in Khartum. Die USA befürchten, dass moslemische Extremisten die unsichere politische Lage in Somalia für verdeckte Aktivität nutzen könnten. Abdiquassim beteuerte, dass "Somalia nicht Afghanistan" und er selbst "nicht Mullah Muhammad Omar" sei.

"Diese Propaganda-Kampagne gegen Somalia terrorisiert die Menschen", sagte Abdiqassim bei einem Gipfeltreffen in der sudanesischen Hauptstadt. Die Menschen seien verängstigt, weil sie sähen, dass das größte Land der Welt das arme von zehn Jahren Bürgerkrieg verwüstete Somalia bedrohe. Hassan bekräftigte, es gebe keine Stützpunkte der El Kaida Organisation oder anderer Extremisten in Somalia.

"Somalia kein Nährboden für Terroristen"

Die USA haben nach den Terroranschlägen vom 11. September angekündigt, alle Staaten angreifen zu wollen, die Osama bin Laden und seinen Anhängern Unterschlupf gewährten.

"Wir wollen unser Land einigen und die internationale Gemeinschaft soll uns dabei helfen, damit Somalia keinen Nährboden für zukünftige Terroristen bietet", sagte Abdiqassim. Seine Regierung habe ein Komitee zur Bekämpfung des Terrorismus eingesetzt und einige Verdächtige festgenommen. Allerdings seien die Möglichkeiten wegen der begrenzten finanziellen Mittel eingeschränkt. Aus Regierungskreisen verlautete, Beamte hätten seit vier Monaten keinen Lohn mehr erhalten und der Informationsminister habe nur eine funktionierende Telefonleitung.

"Somalia ist nicht Afghanistan"

Die Übergangsregierung von Abdiqassim ist seit August 2000 im Amt, hat aber nur einige Teile der Hauptstadt Mogadischu unter Kontrolle. Das übrige Land wird von rivalisierenden Stammesfürsten beherrscht. Diese hätten vor, das Interesse der USA an Somalia auszunutzen, warnte Abdiqassim. Sie wollten so wie die Nordallianz in Afghanistan nach den US-Angriffen die Macht im Land übernehmen.

"Aber Somalia ist nicht Afghanistan. Die Übergangsregierung ist nicht die Taliban. Ich bin nicht Mullah Mohammad Omar", sagte Abdiqassim mit Blick auf das religiöse Oberhaupt der Taliban, das Bin Laden Unterschlupf gewährt haben soll und flüchtig ist.

Zuletzt waren US-Streitkräfte 1993 in Somalia. Bei dem humanitären Einsatz, der unter den Namen "Restore Hope" (Hoffnung wieder geben) bekannt war, starben 20 US-Soldaten. Er hoffe, dass die USA statt mit Bomben in freundlicher Absicht kämen und die internationale Gemeinschaft in ihrem Bemühen, Somalia wieder aufzubauen, anführen würden, sagte Abdiqassim. (APA/Reuters)

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