Kapverden: Die Hilfe geht weiter

11. Jänner 2002, 20:40
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Die Arbeit von Henriette Wirtl: Im März sind sie und ihre Helfer wieder mit Bons Amigos im Einsatz

STANDARD-Mitarbeiterin Andrea Dee

"Diesmal wird alles schwieriger, wir wollen zum ersten Mal echte Streuner kastrieren und medizinisch behandeln. Bisher haben uns die Leute ihre eigenen Hunde gebracht, jetzt wollen wir versuchen, auch möglichst vielen herrenlosen Tieren zu helfen, und die müssen ja gefangen und nach der Behandlung untergebracht werden", berichtet Henriette Wirtl über die Pläne für den Märzeinsatz von Bons Amigos.

Über den Verein und seine Gründerin war an dieser Stelle bereits zu lesen, hier das Wichtigste in Kürze: Als Kind kam Henriette Wirtl, die aus einfachsten Verhältnissen stammt, in der Nachkriegszeit nach Portugal, aus dem für einige Wochen gedachten Erholungsaufenthalt wurden Jahre. Später hat sie ihre portugiesischen Sprachkenntnisse weiter gepflegt, eine Urlaubsreise führte sie auf die Kapverdischen Inseln, der ehemaligen portugiesischen Kolonie vor der Küste Westafrikas. Die Armut der Menschen auf den Kapverden sowie das Leid der Hunde und Katzen in den Straßen gingen ihr sehr nahe. Sie beschloss zu helfen, gründete den Verein Bons Amigos und organisierte im Frühsommer 2000 einen ersten Hilfseinsatz.

In Ponta D'Agua, einem Bezirk der Hauptstadt Praia, konnte das Team aus Tierärzten und anderen freiwilligen Helfern damals über 230 Hunde kastrieren bzw. medizinisch versorgen. Henriette Wirtl: "Die unkontrollierte Vermehrung ist die Wurzel des Tierleides. Auch diesmal werden wir nicht nur die so dringend nötigen Kastrationen vornehmen, wir werden auch wieder Hauterkrankungen, Räude und Krebsfälle behandeln."


50-Stunden-Woche

Um den ersten Hilfseinsatz finanzieren zu können, hat Henriette Wirtl einen Privatkredit aufgenommen, auch ein Gutteil ihres Einkommens als Hausbesorgerin und Heimhilfe floss ins Projekt - und obwohl sie mittlerweile in Pension gehen könnte, arbeitet sie nach wie vor weiterhin vierzig bis fünfzig Stunden pro Woche als Heimhilfe, um Geld für die weiteren Einsätze zu verdienen.

Dank ihrer Energie hat Henriette Wirtl aber auch engagierte Mitstreiter gefunden, zum Beispiel Katharina Kammerzelt, im Umweltbundesamt tätig und Schriftführerin von Bons Amigos - und nicht nur das: "Ich werde im März wieder dabei sein und die Tiere für die Operationen vorbereiten. Wir wollen möglichst vielen Tieren helfen, es muss alles schnell gehen, und in der glühenden Hitze vor den Klinikräumen ist das ganz schön anstrengend."

Mittlerweile ist Bons Amigos auf den Kapverden offiziell als NGO anerkannt und bei der Bevölkerung schon ein Begriff. Wirtl: "Die Leute fragen bei unseren Kontaktpersonen täglich an, wann wir kommen. Beim Einsatz im März werden wir erstmals in Brazil, einem zweiten Bezirk von Praia, tätig sein. Dort leben die Fischer, und die halten auch sehr viele Hunde."

Noch wird in improvisierten Räumlichkeiten gearbeitet, nachdem von den Stadtbehörden ein Grundstück zur Verfügung gestellt wurde, soll ein Haus für ein Tierspital gebaut werden, in dem dann ständig gearbeitet werden kann. Wirtl: "Ein weiterer Raum soll als Schulklassenzimmer genützt werden. Es herrscht generell große Raumnot auf den Kapverden, und wir haben uns immer auch bemüht, etwas für die Kinder zu tun." Diese wiederum haben sich ihrerseits als tüchtige "Tierschutzhelfer" erwiesen.

"Die Kinder lieben ihre Hunde sehr, sie sind froh, wenn wir ihnen helfen, und bringen die Tiere gern vorbei, auch zu den Parasitenbehandlungen, die wir mittlerweile das ganze Jahr über ständig anbieten können. Die Kinder haben auch das Türschild für die Klinik gemalt. Andererseits infizieren gerade sie sich häufig mit den Hautkrankheiten der Hunde, da muss man zweigleisig ar- beiten", erklärt Henriette Wirtl im Gespräch mit dem STANDARD.

Hunde stellen die meisten Patienten, aber auch Katzen werden häufig behandelt. Und auch - für uns ungewöhnlich - auf Dächern gehaltene Schweine würden Hilfe brauchen. Henriette Wirtl: "Die sind in winzigen Verschlägen unvorstellbarer Hitze ausgesetzt. Aber den Leuten fehlt eben jedes Wissen, die sind sich gar nicht bewusst, dass die Tiere leiden. Gerade über die Kinder hoffen wir da besseres Verstehen zu erreichen." (Der Standard, Printausgabe, 12.01.02)

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