Bürodschungel statt Papierberge

11. Jänner 2002, 20:14
posten

Pflanzen wirken entspannend, reinigen und befeuchten die Luft - und werden im Büro dennoch oft als unnötiger Zierrat belächelt

Man muss Grünzeug nicht unbedingt essen, um gesundheitlichen Nutzen daraus zu ziehen. Manchmal genügt schon, es anzuschauen: Wissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen Pflanzen als positive Elemente ihrer Umgebung wahrnehmen, selbst wenn es sich dabei nur um Bilder von Blumen, Bäumen oder Sträuchern handelt. Grün beruhigt die Nerven - das lässt sich anhand von messbaren Stressindikatoren wie Puls, Blutdruck und Muskelspannung nachweisen.

Angesichts dieser Erkenntnisse verwundert es, wie viele Arbeitsplätze es noch gibt, an denen nichts grünt oder blüht. Denn Pflanzen können viel mehr, als nur Räume strukturieren und zum Wohlbefinden der Mitarbeiter beitragen: Sie schlucken Schall, reinigen und befeuchten die Luft. Das ist vor allem in (Großraum-) Büros unendlich wichtig.

Menschen atmen Sauerstoff ein und einen Teil davon als Kohlendioxid wieder aus. Je höher der Kohlendioxidanteil in der Luft ist, desto schlapper fühlen wir uns. Pflanzen können Kohlendioxid quasi entsorgen, und zwar umso besser, je mehr (Gesamt-)Blattfläche die Pflanze aufweist. Besonders effektive Kohlendioxid-Killer sind etwa die Banane, verschiedene Ficus-Arten oder grünblättriger Wein.

Auch andere Schadstoffe können durch botanische Filter zumindest reduziert werden: Formaldehyd, Acetone oder Benzene gelangen aus Möbeln, Teppichen oder Zigarettenrauch in die Raumluft und können Kopfschmerzen, Allergien, Ausschläge oder Kreislaufbeschwerden hervorrufen.

Diesen flüchtigen organischen Stoffen kann man durchaus erfolgreich zu Leibe rücken: Grünlilie, Strahlenaralie, Philodendron, Aloe und Ficus haben sich als geeignete Entgifter für den Schadstoff Nr. 1, Formaldehyd, erwiesen. Efeu, Drachenbaum und Bogenhanf absorbieren Benzol, und die Efeutute baut das Nikotin aus dem Zigarettenrauch ab.


Trockene Luft

Ein weiteres häufiges Büro-Leiden, bei dem Pflanzen Abhilfe schaffen können, sind ausgetrocknete Schleimhäute, die weitgehend auf zu niedrige Luftfeuchtigkeit im Raum zurückzuführen sind. 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit empfinden die meisten Menschen als angenehm, doch vor allem im Winter, wenn die Heizung auf Hochtouren läuft und auch die Computer das ihrige dazu beitragen, liegt sie oft nur bei 30 Prozent und darunter. Mit großblättrigen Grünpflanzen, die einen hohen Wasserbedarf haben, lässt sich die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise erhöhen. Ideal dafür geeignet sind etwa die Zimmerlinde oder das Cypergras (fälschlich meist Zyperngras genannt), die jeweils bis zu drei Liter Wasser pro Tag verdunsten können.

Die richtige Luftfeuchtigkeit ist übrigens auch Voraussetzung dafür, dass Pflanzen die Staubpartikel in der Luft binden, ja geradezu anziehen. An größeren Blättern kann man auf den ersten Blick erkennen, ob die Luftfeuchtigkeit stimmt oder zu niedrig ist: Bleibt der Staub auf dem Blatt liegen, liegt die Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent.

(Marie-Therese Gudenus, Der Standard, Printausgabe, 12.01.01)

Share if you care.